MUSIK AM 13. – Pressestimmen 2010/11
Pressestimmen 2010/11

Stuttgarter Nachrichten, 30.08.2011

Die Farben des Sommers

Karl-Ludwig Kreutz in der Orgelreihe von "Musik am 13."

Die musikalische Sommerpause überbrücken in Stuttgart Orgelzyklen in der Stiftskirche oder der Cannstatter Stadtkirche. In Letzterer war am Sonntag der Freiburger Professor für Orgelimprovisation, Karl-Ludwig Kreutz, zu Gast. Der Komponist Jehan Alains steht anlässlich seines 100. Geburtstags im Zentrum der Cannstatter Reihe "Sommer! 7 x Orgel".

Der bizarren Rhythmik von "Trois Danses" gab Kreutz in den Rahmenteilen eine voller Lebendigkeit tänzelnde Kontur. Mit seiner Registerwahl verfolgte er dabei eher das Ziel, die Klangfarben anzugleichen, als sie aufzufächern. Dieser einheitsstiftende Charakter lag auch seiner Bearbeitung von Bachs drittem Brandenburgischem Konzert zugrunde, deren Streichersatz er im Kopfsatz mittels dynamischer Stufung plastisch in Tutti und Soli aufspaltete. Die originalgetreue Übernahme von Bachs Trillerketten machte auf der Orgel wegen der hemmenden Überdeckungsprobleme aber weniger Sinn.

Mozarts stilgenaue Adaption einer altertümlichen Choralbearbeitung ("Ach Gott, vom Himmel sieh darein") aus der "Zauberflöte" kleidete Kreutz in deren figurativen Begleitstimmen in ein unnötig spitzes Staccato-Gewand. Die Orgel-Übertragung von Ravels "Menuet antique" wusste der Künstler farbig und abwechslungsreich zu registrieren, die Charaktergebung hätte man sich allerdings etwas leichtfüßiger gewünscht.

Die Entdeckung des Abends waren der Komponist Adolf Kern und seine Triosonate Nr. 6 G-Dur. Kern (er starb 1976) nimmt dabei unverhohlen Bach zum Vorbild. Hier hätte Karl-Ludwig Kreutz das Tempo in den Ecksätzen noch ein wenig stabiler halten sollen.

In seiner eigenhändigen Improvisationsverkettung über Liszt'sche Themen blieb ihm hingegen völlig freie Hand für ein breites Spektrum des Ausdrucks und der Klanglichkeit.

Thomas Bopp

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Stuttgarter Zeitung, 30.08.2011

Metrische Störfeuer

Orgelsommer Karl-Ludwig Kreutz ist in Bad Cannstatt zu Gast

Er war eine Zentralfigur der Moderne und doch weitgehend unbekannt: der französische Organist und Komponist Jehan Alain war ein fleißiger Schnellschreiber und experimentierfreudiger Tonkünstler, der gerade einmal 29 Jahre alt wurde.
Als er im Zweiten Weltkrieg fiel, hinterließ er ein OEuvre, das zu einem Großteil immer noch der Entdeckung harrt. Dass es sich dabei um äußerst lohnenswerte Stücke handelt, zeigt der diesjährige Orgelsommer in Bad Cannstatt, der Jehan Alains Werke in den Vordergrund rückt.

Mit den rhythmisch ziemlich vertrackten "Trois danses" aus dem Jahr 1937 eröffnete der Freiburger Orgelprofessor Karl-Ludwig Kreutz sein Gastspiel beim sonntäglichen Konzertreigen in der Cannstatter Stadtkirche.

Da laufen die Manuale verschachtelt gegeneinander, setzt das Pedal metrische Störfeuer. Eher sperrig wirken diese Tänze, selbst wenn sie "Freude" oder "Kämpfe" heißen. Jazzige Anklänge sind da ebenso zu hören wie schillernde Akkordverbindungen und eine unbändige Lust an außergewöhnlichen Klangverbindungen.
Die scheinen ohnehin das Faible von Karl-Ludwig Kreutz zu sein, wie man eindrücklich in Maurice Ravels "Menuet antique" oder auch in Adolf Kerns Triosonate G-Dur hören kann. Zugleich hat man aber häufiger das ungute Gefühl, dass Kreutz Schwierigkeiten mit der rhythmischen Präzision hat, was sich wiederum bei Kerns wenig zugänglichem Werk, aber auch in Kreutz' eigener Bearbeitung von Johann Sebastian Bachs drittem Brandenburgischen Konzert zeigt.
Dass gerade solche Transkriptionen ihre Grenzen haben, wurde doch sehr deutlich.
Zu geschlossen ist das Klangbild, als dass man die polyfonen Strukturen, das Spiel mit den Orchestergruppen wahrnehmen könnte. Genau davon aber lebt Bachs konzertantesWerk.

Nicht mehr als eine hübsche Fingerübungwar auch die anschließende Bearbeitung der Geharnischten-Szene aus Mozarts "Zauberflöte". Den stärksten Eindruck hinterließ Karl-Ludwig Kreutz mit seinem eigenen Werk "Tryptique improvisée" über Themen von Franz Liszt. Hübsche Echoeffekte prägen den ruhigen Mittelsatz, sinfonische Größe den ersten Satz, während das virtuos-turbulente Finale ein würdiger Schlusspunkt ist.

Markus Dippold

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Stuttgarter Nachrichten, 11.07.2011

Kokette Turtelei zwischen Solisten

Orffs "Carmina Burana" beim Cannstatter Kulturmenü

Die Choristen des Staufer-Gymnasiums Waiblingen und des Bach-Chors Stuttgart füllten am Samstag fast die ganze Bühne des Wilhelma Theaters und stürzten sich hinein in die fetzigen Hymnen, in Tänze, Liebes- und Sauflieder der "Carmina Burana", Carl Orffs populärer Kantate, die immer für ein volles Haus sorgt. Eingeladen hatte Kirchenkreiskantor Jörg-Hannes Hahn mit einem Sonderkonzert seiner Reihe "Musik am 13." im Rahmen des Cannstatter Kulturmenüs.

Auch wenn es den zusammengeführten Chören an satter Klangfülle und Theatralik gelegentlich fehlte und nicht immer sauber phrasiert wurde, entstand der nötige Hörsog. Dafür sorgten auch das Percussion-Ensemble der Musikhochschule Stuttgart und zwei Pianistinnen. Ausgesprochen wirkungsvoll war die minimalistische szenische Einrichtung von Bernd Schmitt, der die Restbühne Richtung Loge und Rang erweiterte und dort eine kokette Turtelei zwischen den Solisten – mit schöner Tiefe: Bariton Kai Preußker, kurzfristig eingesprungen: Sopran Rebecca Reute – sich entspannen ließ.

Theatralischer Höhepunkt: die humorige Arie des gebratenen Schwans. Tenor Christian Wilms schwebte kopfüber wie ein gekreuzigter Flattermann über den Musizierenden und brachte in dieser stimmbandfeindlichen Position auch noch herzerweichende Töne heraus. Fein gemacht!

Verena Grosskreutz

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Eßlinger Zeitung, 16.06.2011

Gleichmäßig, unaufgeregt

Musik am 13. mit Bach und Jörg-Hannes Hahn

Hinsichtlich ihres universalen Charakters ragen Bachs Goldbergvariationen weit über alles hinaus, was aus dem Zeitalter des Barock an dieses Kompendium heranreichen könnte. Nicht nur vom umfang des zyklischen Werks her betrachtet, auch vom Ausloten der komplexen Satztechnik und der unterschiedlichen musikalischen Stile her gesehen nimmt Bachs 1741 veröffentlichter, seine drei vorhergehenden teile ergänzender vierter teil seiner "Clavierübung" einen Ausnahmerang ein. Johann Nicolaus Forkel, der erste aller Bach-Biographen, nannte noch 1802 die Goldbergvariationen das "Modell, nach dem alle Variationen gemacht werden sollten". Beethoven, dessen gut 20 Jahre nach der Veröffentlichung von Forkels Biographie entstandene Diabellivariationen heute als "klassisches Gegenstück" gelten, hat sich zumindest hinsichtlich der Ausdehnung daran gehalten. Dem hohen respekt für die Goldbergvariationen stand allerdings eine gewisse Zurückhaltung im Hinblick auf die nähere Auseinandersetzung mit der Komposition entgegen. Das Studium des Wohltemperierten Klaviers war nach Bachs tod ungebrochen geblieben, die Goldbergvariationen verloren sich (wie Bachs Vokalwerke) in den Archiven. Einem größeren Interesse war wohl ihr hoher technischer und gestalterischer Anspruch im Weg. Die immensen Anforderungen an den Cembalisten blieben auch jetzt in der Aufführung Jörg-Hannes Hahns in der Cannstatter Stadtkirche nicht verborgen. Die mit ihren Bassnoten das thema bildende Aria kleidete Hahn nicht, wie häufig zu hören, in eine Sphäre feinfühliger Versonnenheit – bei ihm zeigte sie sich tänzerisch agil und reich ornamentiert. Die Vielfalt der neun streng gebauten Kanons nebst einem kontrapunktischen Quodlibet und der 20 anderen, satztechnisch freier gehandhabten Variationen ließ Hahn mehr aus sich selbst heraus leben. Ein weitgespannter und unterschiedlich ansetzender Ausdruckscharakter war nicht sein primäres gestalterisches Anliegen.

Seine ein wenig distanzierte Herangehensweise zielte in aller regel darauf, den Grundpuls der Bassnoten der Aria beizubehalten, was tempomäßig zu einem meist etwas retardierten, aber auch unaufgeregten Gleichmaß führte. und doch nahmen manche Variationen in seiner Interpretation eine herausragende Position ein, beispielsweise die tänzerisch hüpfende Giga der Variation Nr. 7, die mit agogischem Feinsinn bedachte Variation Nr. 9, die in großen Bögen wiegende Nr. 13 und die sehr sanglich und sprechend gehaltenen Stücke 15, 21 und 25, aber auch die frische Nr. 19 und die vital vorantreibende Nr. 24.

Sebastian Quint

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Stuttgarter Nachrichten, 15.06.2011

Musik am 13. mit Bach

Im Gegensatz zu seinen Vokalwerken sind Bachs Klavierwerke auch nach Bachs Tod immer präsent geblieben. Vor allem das Wohltemperierte Klavier gehörte für die Nachgeborenen zu den gerne studierten Vorbildern, weniger die Goldbergvariationen. Der Auseinandersetzung mit der Komposition standen wohl ihre hohen technischen Ansprüche entgegen. Die immensen Anforderungen an den Cembalisten blieben auch in der Aufführung Jörg-Hannes Hahns in der Cannstatter Stadtkirche nicht verborgen. Die das Thema bildende Aria kleidete Hahn nicht, wie häufig zu hören, in eine Sphäre feinfühliger Versonnenheit, bei ihm zeigte sie sich tänzerisch agil und reich ornamentiert. Die Vielfalt der neun streng gebauten Kanons nebst einem kontrapunktischen Quodlibet und der 20 anderen, satztechnisch freier gehandhabten Variationen ließ Hahn mehr aus sich selbst heraus leben. Der Grundpuls seiner Herangehensweise zielte dabei in aller Regel auf ein bedächtiges, unaufgeregtes Gleichmaß auf der Basis der Grundnoten der Aria. Ein variativ typisierter, unterschiedlich ansetzender Ausdruckscharakter war weniger sein gestalterisches Anliegen. Und doch nahmen manche Variationen in seiner Interpretation einen Ausnahmerang ein: beispielsweise die in großen Bögen wiegende Nr. 13 und die sehr sanglich gehaltenen Stücke 15 und 25, aber auch die frische Nr. 19 und die kraftvoll vorantreibende Nr. 24.

tb

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Stuttgarter Nachrichten, 26.04.2011

Monument von schwebender Intensität

Bachchor und -orchester suchen den Geist der Zeit in der Lutherkirche

Mit Aufführungen der Bach’schen Messe in h-Moll waren am Freitag und Samstag der Bachchor und das Bachorchester Stuttgart unter der Leitung von Jörg-Hannes Hahn zu hören, und wieder einmal wurde die dicht besetzte Cannstatter Lutherkirche zu einem der Zentren der Stuttgarter Kirchenmusik. Es war verblüffend, mit welcher Leichtigkeit sich die vielen Chorstimmen bei größtmöglicher Detailgenauigkeit durch die komplizierten kontrapunktischen und fugierten Partien hindurchbewegten, wie die Klanggewalten in schwebende und elastische Intensität umgesetzt und gefasst wurden.

Der vom Stuttgarter Kammerorchester ausgeliehene Konzertmeister Benjamin Hudson wusste auch das hoch motivierte und an allen Pulten durchaus Virtuosität versprühende Orchester zu führen. Dazu wurden die instrumentalsolistischen Aufgaben (Violine, Flöte, Englischhorn, Horn etc.) bestens gelöst. Hahn legte bisweilen recht stramme Tempi vor, die dem interpretatorischen Zeitgeist entsprechen. Das Metaphysische blieb dabei vielleicht etwas auf der Strecke, ansonsten aber stand die Wiedergabe so, dass das Physische des Erklingenden und klar Erkennbaren ohne Risiken war. Das Solistenquartett mit Bettina Pahn, Bettina Rauch, Christian Georg und Bernhard Jaeger-Böhm agierte beweglich in Augenhöhe zur Qualität der Aufführung.

Zwischen Kreuzigung ("Crucifixus") und Auferstehung ("Et resurrexit") wurde am Karfreitag eine bewegte und bewegende Musik von Anno Schreier eingefügt. Der Titel "Er ist nicht" stammt aus Jean Pauls "Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, dass kein Gott war". Altsolo und Chor rufen fragend: "Vater, wo bist du?", das Orchester beschreibt das Chaos in dramatischen Klangbildern. Die emotionale Expressivität des kurzen Werkes ist von großer Direktheit: Klänge lösen sich nicht, sie bleiben im Hier und Jetzt und im Bewusstsein haften.

Wolfgang Teubner

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Stuttgarter Zeitung, 26.04.2011

Keine Weile in der Eile

In der Lutherkirche wurde Bachs h-Moll-Messe aufgeführt

Was diese Hohe Messe während der Aufführung am Karfreitag kaum hatte, das gab ihr Jörg-Hannes Hahn nach dem Verklingen: Augenblicke der Ruhe, des Innehaltens, der Geduld, der Einkehr. Er ließ die Glocken der Cannstatter Lutherkirche läuten, bevor Beifall einsetzen konnte. Es war eine durchweg eilige Messe in h-Moll, straff durchgezogen mit einem stimmlich ausgezeichnet disponierten Bach-Chor, der vom Drängen des Dirigenten aber – wie die vier Gesangssolisten – oft gehetzt wirkte und sich nie ganz gelöst entfalten konnte. Auch das Bach-Orchester schien bei aller Präzision stets ein wenig den unerbittlich raschen Tempi hinterherzuhecheln.

Es ist immer auch eine Geschmacksfrage, welchen Gesamtcharakter ein Dirigent Johann Sebastian Bachs Opus sum- mum geben will. Jörg-Hannes Hahn trennte die Ebenen. Über einem dicht ge- wobenen Teppich hob er die führenden Stimmen und Einsätze mit starken dekla- matorischen Impulsen hervor. Das "Kyrie" darf wohl an die Grenze zum zagenden Stammeln gehen, ein "Crucifixus" darf Hammerschläge nachahmen. Zuweilen aber war das zu viel, geriet das überbemühte Artikulieren fast zum Stottern.

Auch die entfesselte Dynamik schneller Sätze wie des "Cum Sancto Spiritu" kippte manchmal trotz der sorgfältigen Einstudierung in ein hektisches Hudeln. Das wirkte geschludert, was es nicht war. Viel Mystik in dieser Musik ging in der Ungeduld und zuweilen auch in zu großer Lautstärke verloren. Der Kontrabass wummerte nicht nur beim "Domine Deus"-Duett von Sopranistin Bettina Pahn und dem Tenor Christian Georg übermächtig. Auch die Stimme des Bassisten Bernhard Jaeger-Böhm kam nicht immer durch.

Nach der Sterbeszene war als musikalischer Bach-Kommentar "Er ist nicht" des 1979 geborenen Anno Schreier eingefügt. In dem expressiven, nach dem Inferno ver- stummenden Stück über Jean Pauls Albtraum vom nicht existierenden Gott überzeugte die Mezzosopranistin Bettina Ranch neben einem Chor, der beharrlich fragte "Vater, wo bist du?" Man kann das machen. Aber auch hier wäre behutsame Geduld, der Mut zur Pause, zur Stille förder- lich gewesen. Stattdessen: schnell weiter! Nach dem Geläut gab es langen Beifall.

Martin Bernklau

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Eßlinger Zeitung, 26.04.2011

Ansprechendes Leuchten

Bachchor und Bachorchester Stuttgart führen h-Moll-Messe in der Lutherkirche Bad Cannstatt auf

Eine Messe zelebriert den Kernbestand christlichen Glaubens wie den Kreuzestod Jesu, die österliche Auferstehung und Erwartung einer zukünftigen Welt. In der Messe wird Gottes Herrlichkeit gepriesen und zugleich die Bitte um sein Erbarmen vorgetragen. Die Aufführung einer auskomponierten Messe zur Sterbestunde Jesu will über das Erinnern und die Vergegenwärtigung der Passion hinausgehen.

Dies war mutmaßlich das Anliegen von Jörg-Hannes Hahn, dem Bachchor und dem Bachorchester Stuttgart, die in der Cannstatter Lutherkirche am Karfreitag Bachs h-Moll Messe aufgeführt haben. Der durchdachte gestalterische Ansatz im Eingangschorsatz, Hahns erkennbare Absicht, im ersten "Kyrie eleison" auf eine prägnante Konturierung der Chorstimmen und das Vermeiden einer Oberstimmenpräsenz im Orchester zu setzen, was der Transparenz der instrumentalen Mittelstimmen zugutekam, war geeignet, hohe Erwartungen zu wecken. Und die wurden auch andernorts eingelöst: so etwa in der kleingliedrig aufgespaltenen Phrasierung des Chorsatzes im zweiten "Kyrie eleison", der perlenden Lockerheit des leichtfüßigen Chorsoprans im "et in terra pax" des Gloria oder den insistierend pochenden Hammerschlägen im "crucifixus et pro nobis". Auch einige der Arien blieben nachhaltig im Gedächtnis haften: der Sopran von Bettina Pahn, der im "Christe eleison" homogen mit Bettina Ranchs Alt verschmolz, der gestaltungswillige Tonfall des Bassisten Bernhard Jaeger-Böhm im "et in spiritum sanctum" oder der stimmlich weich ansetzende und rund ausformulierende Tenor Christian Georg im "benedictus, qui venit", das hier durch Hahns Verzicht auf ein Continuotasteninstrument - also nur von Flöte und Cello begleitet - in ein besonders ansprechendes Leuchten gehüllt wurde.

In einigen Chorsätzen schien Hahn allerdings seine hoch engagierten Sängerinnen und Sänger ein wenig zu überfordern, die rasanten Tempi, die Hahn insbesondere in der zweiten Hälfte des Werks wählte, waren nicht wenige Male an der obersten Grenze dessen, was der Chor zu leisten imstande war. So ging im vordringlichen Bestreben des technischen Beherrschens manch Differenzierung im Ausdruck verloren. Mit schwindender Sensibilität blieben so Individualität und Charakterzeichnung der Chorsätze ein bisweilen nicht erfüllter Wunsch.

Das Bachorchester Stuttgart indes vermochte auf der einen Seite dem schmetternden Trompeten-Jubelton, etwa im "Gloria in excelsis Deo", kräftige Farben zu verleihen; es verstand sich aber auch auf ein artikulatorisch durchdachtes Profil, was den Instrumentalsatz in den Arien anging. Und es war zudem flexibel genug, sich in der von Jörg-Hannes Hahn nach dem "Crucifixus" eingeschobenen und wild dreinfahrenden Komposition "Er ist nicht" des 1979 geborenen Komponisten Anno Schreier für Alt, Orchester und Chor auf eine völlig anders gelagerte musikalische Sprache einzulassen. Auch Bettina Ranch meisterte diese Herausforderung mit bezwingender künstlerischer Ausdruckskraft.

Sebastian Quint

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Stuttgarter Nachrichten, 15.02.2011

Younghi Pagh-Paan

Kraftvoll sei ihre Musik, aber nicht wegen der Lautstärke, sondern wegen des Flusses, dem sie sich hingebe: So charakterisierte Ewald Liska am Sonntag die Kunst der Younghi Pagh-Paan. Im Konzert, das Kirchenkreiskantor Jörg-Hannes Hahn der 65-jährigen Komponistin im Rahmen seiner Reihe "MUSIK AM 13." in der Stadtkirche Bad Cannstatt widmete, folgte dieser These gleich der Beweis.

Ein kraftvoller Sog durchatmet "Flammenzeichen", ein langer Trauergesang für Frauenstimme, in dem Pagh-Paan 1983 Fragmente aus Flugblättern, Aussagen und Briefen der Widerstandsgruppe Weiße Rose vertonte. Klagen, Anklagen, Flüstern, atemloses Skandieren sind die stimmlichen Ausdrucksmittel, aber auch kleine Schlaginstrumente brachte die Sopranistin Barbara Stein während ihres mitreißenden Vortrags zum Klingen. Ein Mittel, das der koreanischen Tradition der Pansori-Gesänge entstammt, in denen Sänger von einem Trommelspieler begleitet werden. Ihre koreanischen Wurzeln will Pagh-Paan, seit 1974 in Deutschland, nicht verleugnen: Sie wolle koreanische Musik aber keinesfalls nachahmen, sagte sie im Gespräch – wenngleich der "lange Atemzug der asiatischen Musik" alle ihre Kompositionen präge.

Dass ihre Musik vor allem aus einer großen emotionalen Tiefe schöpft, offenbarte das klangmagische "NE MA-UM" (Mein Herz) für Akkordeon solo von 1996 (fantastisch: Katjana Sedelmayr). Während dasselbe Stück dann in einer Bearbeitung von 2007 für Orgel (Jörg-Hannes Hahn) und Schlagzeug (Klaus Dreher) eine immense klangliche Weitung erfuhr, bewies "Hin-Nun II/Weißer Schnee" von 2005 für sechs Vokalsolisten (Leitung: Johannes Knecht) die Affinität Pagh-Paans zu satter, farbiger Vokalpolyfonie.

(vgr)

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Eßlinger Zeitung, 15.02.2011

Flammenzeichen

Younghi Pagh-Paan im Komponistenporträt bei MUSIK AM 13.

"Ich schreibe weder koreanische noch europäische Musik, sondern einfach meine eigene", bekennt Younghi Pagh-Paan, die seit 1974 in Deutschland lebt. Im 8. Komponistenporträt der Konzertreihe MUSIK AM 13. konnte man das jetzt in der Stuttgarter Stadtkirche Bad Cannstatt anhand einer kleinen, aber feinen Auswahl an Werken hörend nachvollziehen.

Kraftvoll sei ihre Musik, aber nicht wegen der Lautstärke, sondern wegen des Flusses, dem sie sich hingebe – so charakterisierte Ewald Liska in seiner Einleitung treffend die Kunst der Südkoreanerin. Der These folgte auch sogleich der Beweis. Ein kraftvoller Sog ging von "Flammenzeichen" aus, einem langen Trauergesang für Frauenstimme, in dem Pagh-Paan 1983 Fragmente aus Flugblättern, Aussagen und Briefen der Widerstandsgruppe Weiße Rose vertont hat. "Flammenzeichen" setzt aber nicht auf Larmoyanz, sondern auf Stärke und Aufbegehren. Sie seien "Licht für das deutsche Volk" gewesen, sagt Pagh-Paan im Gespräch mit Ewald Liska über die jungen Widerstandskämpfer der Weißen Rose. Klagen, Anklagen, Flüstern, atemloses Skandieren sind die stimmlichen Ausdrucksmittel in "Flammenzeichen". Aber auch kleine Schlagin­strumente brachte Sopranistin Barbara Stein während ihres aufwühlenden Vortrags zum Klingen. Ein Mittel, das der koreanischen Tradition der epischen Pansori-Gesänge entstammt, in denen die Solosänger von einem Trommelspieler begleitet werden. Sie wolle koreanische Musik aber keinesfalls nachahmen, erklärte Pagh-Paan, wenngleich der "lange Atemzug der asiatischen Musik" alle ihre Kompositionen präge. Dass ihre Musik vor allem aus einer großen emotionalen Tiefe schöpft, brachte das klangmagische "NE MA-UM" (Mein Herz) für Akkordeonsolo von 1996 an den Tag, fantastisch interpretiert von Katjana Sedelmayr, die neben den virtuosen Aufgaben ebenfalls kleine Schlaginstrumente einzusetzen hatte. Dasselbe Stück erfuhr dann in der Bearbeitung "Bleibt in mir und ich in euch" von 2007 für Orgel (Jörg-Hannes Hahn) und Schlagzeug (Klaus Sebastian Dreher) eine immense räumliche Weitung. Die an- und abschwellende feine Klanglichkeit des Akkordeons wurde jetzt in ein mächtiges, sakrales Universum überführt. "Hin-Nun II/Weißer Schnee" von 2005 für sechs Vokalsolisten (Leitung: Johannes Knecht) schließlich offenbarte Pagh-Paans Affinität auch zu satter, farbig-vibrierender Vokalpolyphonie.

Verena Großkreutz

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Eßlinger Zeitung, 23.11.2010

Monumentale Klänge

Bachchor und Bachorchester in der Cannstatter Lutherkirche

Ein interessantes Programm hatte Jörg-Hannes Hahn für das Konzert am Totensonntag in der Bad Cannstatter Lutherkirche zusammengestellt. Mit Kompo­sitionen von Axel Ruoff und Neithard Bethke standen zwei Werke zeitgenössischer Kirchenmusik der monumentalen e-Moll-Messe Anton Bruckners gegenüber.

In seinem "Epitaph II" variiert der 1957 in Stuttgart geborene, an der Musikhochschule Musiktheorie unterrichtende Axel Ruoff eine frühere Komposition des gleichen Titels. Ein achtstimmiger Chorsatz, mit Cello, Kontrabass, Bassklarinette und Kontrafagott dunkel eingefärbt, behandelt einen Vers der Offenbarung des Johannes("Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben")in glissandierend aufsteigenden Klangflächen. Neithard Bethke dagegen verwendet zwei Motive grego­rianischer und barocker Choralvertonungen des "Te Deum laudamus" in seiner dreisätzigen Konzertmusik für große Orgel und Bläserorchester.

Eindringliche Wucht

Die Besetzung mit Holz- und Blechbläsern entspricht dabei jener der Bruckner-Messe, wobei für die Aufführungspraxis beider Werke äußere Anlässe eine besondere Rolle spielten. Bethkes Orgelkonzert, aus einem Stück für die beiden in großem räumlichen Abstand stehenden Orgeln des Ratzeburger Doms entwickelt, führt einen Dialog zwischen den gleißenden Registern des Soloinstruments und den geballten Clustern der Bläser, aus denen sich immer wieder ein psalmodierender cantus firmus hervorhebt. Elena Pischik an der Orgel der Lutherkirche und das Bachorchester Stuttgart gestalteten diese Te-Deum-Version mit eindringlicher Wucht.

Feierliches Kyrie

Akustisch raumsprengend waren dann auch manche Tutti-Teile der e-Moll-Messe von Bruckner. Zur Einweihung der Votivkapelle des im Bau befindlichen Mariendoms in Linz hat Bruckner seine zweite große Messe 1866 für eine Aufführung unter freiem Himmel komponiert und entsprechend farbig, jedoch ohne Streicher und Orgel, orchestriert.

Auch die heiklen, achtstimmigen A-cappella-Passagen meisterte der Bachchor Stuttgart unter Hahns sorgfältiger Leitung erstaunlich intonationssicher. Artikulation, Phrasierung und Homogenität des Klangs beeindruckten im feierlichen Kyrie mit seinen Hörner- und Posaunenüberblendungen, im majestätischen Gloria und im dramatisch spannungsvollen Credo. Hier wie auch im Benedictus kamen besonders die Oboen und Klarinetten zum lyrischen Einsatz. Die an Palestrina erinnernden Polyphonien des Sanctus sang der Bachchor mit lichter Transparenz, das Agnus Dei steigerten die Sänger und Instrumentalisten zu gewaltigen Klangschichtungen, in denen Bruckners Chromatik schon weit über das romantische Ausdrucksspektrum hinausreicht.

Dietholf Zerweck

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Stuttgarter Nachrichten, 21.10.2010

Dienet dem Höchsten mit herrlichen Chören

Bachs Weihnachtsoratorium im Doppelpack: Konzerte mit dem Bachchor und mit dem Collegium Iuvenum Stuttgart

Bachs festliches Jauchzen und Frohlocken gehört zur Vorweihnachtszeit wie Lebkuchen und Glühwein. Am Wochenende waren die ersten drei Kantaten des Weihnachtsoratoriums in Stuttgart gleich doppelt in hoher Qualität zu erleben: In der Stadtkirche Bad Cannstatt ergänzte Jörg-Hannes Hahn seine Aufführung mit dem Bachchor durch ein "Magnificat" des 13-jährigen Felix Mendelssohn, und Friedemann Keck ließ in der Markuskirche das Publikum Choräle mitsingen.

In Bad Cannstatt bezauberte am Samstag zuallererst das (vor allem aus Musikern der Stuttgarter Orchester zusammengesetzte) exzellente Instrumentalensemble: eine flexible, ebenso genau wie klangschön aufspielende Truppe, die Jörg-Hannes Hahns meist rasche Tempi und tänzerische Vorgaben mit Eleganz und Gefühl umsetzte. Die Orchestersolisten waren von erster Güte.

Der Bachchor wirkte in den Stimmen ausgewogen besetzt, sang mit hoher Textverständlichkeit und bewies eine für Laiensänger exzellente Höhen- und Tonfindungssicherheit. Die Choräle sang man schlicht, ohne künstliche Stauungen und überbordendes Zierwerk – schön, geschmackvoll.

Schade nur, dass sich bei den Vokalsolisten mehr Schatten fand als Licht: Neben Anna Haase (Alt) und Matthias Horn (Bass) neigte der Tenor Kim Schrader zum Forcieren, und die Intonationsprobleme der Sopranistin Angelika Luz, deren Höhe zuweilen eng und scharf wirkte, legten sich erst mit der Zeit.

Am Sonntag wären in Bad Cannstatt die Kantaten vier bis sechs des Weihnachtsoratoriums zu hören gewesen. Wir konnten leider nicht dabei sein, weil wir die ersten drei Teile mit dem Knabenchor Collegium Iuvenum hören wollten. Wir wurden nicht enttäuscht: Was Friedemann Keck und die etwa 120 Jungen und Männer boten, war exzellent. Gut inszeniert war der Abend auch: Schon der Einzug der Sänger durch das Kirchenschiff mit Andreas Hammerschmidts "Machet die Tore weit" berührte die Seele.

Hörbar war die über Jahre gewachsene Erfahrung des Chores mit dem Stück dann schon im Eingangschor: Sehr sicher klang hier das fröhliche Jauchzen, die Artikulation war glasklar, der Glanz des Soprans machte leichte Tontrübungen beim "Er ist auf Erden kommen arm" spielend wett, und hochkonzentriert folgten die Sänger ihrem Dirigenten. Nur das "Ehre sei Gott" haben die Jungen später irgendwie verstolpert.

Geschenkt. Man genoss die allgemeine sängerische Mühelosigkeit, für die auch das Barockorchester Collegium instrumentale sorgte: Mit den feinen, dezenten Farben seiner historischen Instrumente machte es das Weihnachtsoratorium über weite Strecken zu einer lebendig durchgestalteten Kammermusik, bei der kein Sänger lauter sein musste, als es ihm gut tat. Manche Raffinesse der Instrumentation – der Pizzicato-Bass der "Frohe Hirten"-Arie, die mitspielende Traversflöte bei "Schlafe, mein Liebster" – wurde hier besonders ohrenfällig. Für diese Qualität nahm man gerne die Intonationsprobleme in Kauf, mit denen zumal die Oboen immer wieder zu kämpfen hatten.

Unter den guten Solisten, neben der Sopranistin Monika Mauch, dem Altisten Franz Vitzhum und dem völlig drucklos seine "Großer Herr"-Arie singenden Bass Markus Flaig glänzte vor allem der Tenor Julius Pfeifer: Präzise und beschwingt durcheilte er seine Hirten-Arie, und als Evangelist gelang ihm eine glänzende Balance zwischen Ausdruckswillen und Zurückhaltung. Die Zuhörer begeisterten sich.

Susanne Benda

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Stuttgarter Zeitung, 15.10.2010

Kess gestartet, romantisch gestrandet

Jörg-Hannes Hahn hat mit dem Bachchor Stuttgart gespielt.

Die Musik des georgischen Komponisten Gija Kantscheli war den Betonköpfen des sowjetischen Komponistenverbands mindestens ebenso suspekt wie den strengen Avantgardisten westlicher Prägung. Beide befanden, Kantschelis Musik sei nostalgisch, will heißen, emotional verschwiemelt, spirituell vernebelt. Jenseits dieser faden, ideologischen Kritik lässt sich sagen, dass Kantschelis Musik eine Ode an die Langsamkeit, an die Nachdenklichkeit ist. Mit Kantschelis "Morning Prayers" aus dem Zyklus "Leben ohne Weihnacht" eröffnete Jörg-Hannes Hahn nunmit der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz in der Cannstatter Lutherkirche in der Reihe MUSIK AM 13. ein Konzert, das sich spirituellen Klassikern der Moderne und den Protagonisten der neuen Langsamkeit widmete.

Großwar das Sowjetreich, entsprechend vielseitig die Musik seiner zahlreichen Tonsetzer.

Kantschelis Opus nun, für Altflöte, Kammerorchester und Tonband (1990) gesetzt, legte Hahn als schillerndes Klangmosaik an. Mit sanftem Schwung ließ er die Klänge werden und vergehen, immer darauf bedacht, den ruhigen Erzählfluss zu wahren und die rhythmischmelodisch verdichteten Phasen mit Silberglanz zu überziehen.

Es folgten, dramaturgisch schön kontrastierend, die "Chichester Psalms" (1965) von Leonard Bernstein. Nur hätte Hahn dem Bachchor Stuttgart einen großen Gefallen getan, hätte er das Orchester etwas zurückgenommen und sich mehr auf die rhythmisch komplizierte Struktur konzentriert als auf die Gestaltung riesiger Klangmassen. So war die Chorpartie im "Exaudi orationem meam, Domine" fast nur als klangfarbliches Element zu hören. Überhaupt forderte Hahn hier vom Chor zu wenig an sprachlicher Artikulation, was ja die Ausführung der rhythmisch vertrackten Angelegenheit ein wenig erleichtert hätte.

Hahn, so schien es, war an diesem Abend von einer romantisch-spirituellen Klangvorstellung geleitet. Dem anschließend gespieltenWerk "Fratres" für Streichorchester und Schlagzeug von Arvo Pärt (1977/1991) sollte das wieder zugutekommen. Mit schier stoischer Ruhe organisierte Hahn die glockenähnlich organisierten Klangfolgen.

Leider versuchte er diese Ästhetik auf die "Psalmensinfonie" (1930) von Igor Strawinsky zu übertragen. Unter den zu langsamen Tempi litt daher der Sprachrhythmus und der an sich schroff in Klangblöcken intendierte Gestus der Musik, war die Mechanik dieser Musik nicht mehr so recht zu spüren, gingen die dissonanten, für den Ausdruck unabdingbaren Schärfen verloren. Schade eigentlich, es wäre hier mehr möglich gewesen.

Annette Eckerle

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Stuttgarter Nachrichten, 15.10.2010

Dramatik ohne Pathos

MUSIK AM 13.: Jörg-Hannes Hahn mit Strawinsky und Bernstein

Rund 400 Zuhörer fanden am Mittwoch den Weg zum Sonderkonzert der Reihe MUSIK AM 13. in die Lutherkirche Bad Cannstatt. Zuhören gab es ein spannendes, unkonventionelles Konzert, ausgeführt vom Bachchor Stuttgart und der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz unter Jörg-Hannes Hahn.

Bei "Morning Prayers" für Kammerorchester und Tonband aus der Feder des Russen Gija Kantscheli blieb die vom Titel suggierte Idylle außen vor: Vornehmlich düstere Klänge beherrschten die Szene. Als Kontrast dazu erlebte man Leonard Bernsteins weitgehend eingängige Melodik der "Chichester Psalms", bei denen sich der Bachchor in einer rhythmisch exakten, sehr farbigen Darstellung erging. Hinzu trat, die dem Werk zugrunde liegende kindliche Unschuld verkörpernd, die klare, unverbildete Solo-Altstimme eines Aurelius-Sängerknaben aus Calw. Bei der packenden, raumgreifenden Wiedergabe von Strawinskys "Psalmensinfonie" schließlich blieb es – neben dem stets beweglich agierenden Chor – primär dem Orchester vorbehalten, mit seiner starken Bläserbesetzung, mit Harfen, tiefen Streichern und dem feinen Spiel zweier Klaviere den archaischen Charakter des Werks ins rechte Licht zu rücken.

(rö)

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AKTUELLES KONZERT

13. März 2012
Stadtkirche Bad Cannstatt

MUSIK AM 13.
Stabat Mater - vier Erstaufführungen

Christina C. Messner
"crux"

Eva-Maria Houben
"stabat mater"

Brigitta Muntendorf
"hin und weg"

Eintritt frei

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Musikalischer Kreuzweg 2012