MUSIK AM 13. – Pressestimmen 2009/10
Pressestimmen 2009/10

Rems-Zeitung, 07.08.2010

Ein ergreifender Konzertabend

Künstlerpersönlichkeiten beim EKM-Konzert am Donnerstagabend im Heilig-Kreuz-Münster

In einem Interview mit Thomas Moritz Müller resümierte EKM-Festival-Programmdirektor Dr. Ewald Liska: "Musik ist ein Faktor, den sich Menschen zunehmend als geistige Nahrung wünschen." Treffender kann das nicht formuliert werden.

Wovon wird die Seele satt? Diese Gretchenfrage geistlicher Musik fand im Donnerstagkonzert der EKM im Heilig-Kreuz-Münster eine derart gültige Antwort, dass das Zuhören gar keine Fragen aufkommen ließ.

Die Bitte der Veranstalter, erst am Schluss des Konzerts zu applaudieren, war nur ein Aspekt der Ehrfurcht vor einer Kunst, die an menschlicher, personaler und musikalischer Tiefe aus sich selbst und für sich spricht. Die Komponisten waren allesamt Künstlerpersönlichkeiten, die in der Sinnsuche ihres bewegten Lebens die Antwort in Gott fanden: der gebürtige Russe Gija Kantschelij, der Este Arvo Pärt – beide hatten die Unfreiheit des gottlosen Kommunismus durchlitten; dann Igor Strawinsky, der 50-jährig zum russisch-orthodoxen Glauben (zurück-)gefunden hatte, und Leonard Bernstein – der eine als "Jude" diffamiert wegen seiner so verdächtigten Tonsprache, der andere wirklich Jude, der nach exzessivem Ausleben seiner Wünsche immer mehr zu den Wurzeln zurückkehrte.

Das eine sind die Partituren mit all ihren Hintergründen, das andere die Interpreten, diesen in den Noten nachspüren, sich ihnen stellen und aus deren Inspiration heraus musizieren. Das alles gerann zu einer Einheit demütiger Hingabe, die den Abend zu solch beglückendem Ereignis werden ließ.

Da war der Aurelius-Knabe Frederik Callies, der sofort an das Wort Jesu in Mt 21,16 (aus Psalm 8,3) erinnerte: Habt ihr nie gelesen: "Aus dem Munde der Unmündigen und Säuglinge hast du dir Lob bereitet"? Der bescheidene Junge sang den hebräischen Text nicht nur auswendig, sondern schlicht, anrührend. Dann musizierten die großen Klangkörper, der Bachchor Stuttgart (erst 10 Jahre jung) und die Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz, beide in bester Erinnerung aus Gottesdienst (2004) und Berlioz-Requiem (2009). Der Dirigent, KMD Prof. Jörg-Hannes Hahn, brachte genau die Qualitäten ein, die unerlässliche Voraussetzung für das Gelingen sind: präzise Gestik ohne "Extras", ansteckende Mimik, eine stets freundliche Ausstrahlung und ein langer Atem, der durch die wunderbar himmlischen Längen bis zu den durchaus explosiven Höhepunkten führte.

Üblicherweise bilden die "Chichester Psalms" von Leonard Bernstein und die "Psalmensinfonie" von Igor Strawinsky die beiden Pole einer Aufführung. Dass Prof. Hahn Gija Kantschelij und Arvo Pärt mit in die Programmfolge aufnahm, unterstreicht sein treffsicheres Gespür für Geist und Aussage aller vier Werke. Schließlich ist von Bedeutung, dass stets der Bezug zu den Psalmen gegeben ist, den gesungenen Gebeten Israels, die wohl am deutlichsten das Sein vor Gott in allen Lebenslagen spiegeln und bei aller Klage das "Aber … du bist Gott" nie vergessen.

Zuerst also erklangen von Gija Kantschelij die "Morgengebete" für Altflöte, Kammerorchester und Tonband (Knaben-Alt/Orgel), 1990 entstanden, dem Text von Psalm 97,10 folgend. Allein die physische Orchesterleistung des langen Durchhaltens in mindestens dreifachem Piano verdient Hochachtung, wie viel mehr die geistige, ganz im Sinne eines Komponisten, den die Stille fasziniert, dessen Traum sie ist. Und dabei stehen die unterschiedlichen Strukturen (wie bei den anderen Vorträgen auch) diesem Gestus nicht im Wege. Die Klavierpunkte waren zugleich Puls, Impuls, welche den Streichertenuti Rhythmus verliehen, bis diese über Tremolandi und Cluster zu den nie aggressiven Höhepunkten führten und gegen Ende sogar sublimen Walzer evozierten. Assoziation der Ewigkeit als visio beatifica (die beseligende Schau Gottes). Da müssen Zeit, Geschäftigkeit, alles Eitle zerrinnen.

Der Boden für Bernsteins "Chichester-Psalms" war bereitet. Das Werk war ein Auftrag von Walter Hussey, dem Dekan der Kathedrale von Chichester.

Der Text (die Psalmen Nr. 100, 23 und 131 vollständig, dazu Einzelverse aus den Psalmen Nr. 108, 2 und 133) wurde vom Komponisten selbst zusammengestellt in der Sprache seines Volkes Israel, Hebräisch. Dieses gewaltige und tiefe Lob Gottes nötigt zu (beredtem) Schweigen. Allein der Part des Knaben-Alts verrät die Innigkeit, mit welcher der (temperamentvolle) Bernstein dem Schriftwort aus Psalm 23 nachspürt. Das berührt zutiefst existenziell. Bei aller Entwicklungsdramatik gilt für den Komponisten der Auftakt des III. Teils "Mein Herz ist nicht hoffärtig …" als Credo eines für immer Zurückgekehrten.

Arvo Pärt (EKM-Preisträger von 2005) legt in "Fratres" (1977/1991) wiederum Zeugnis ab von seiner demütigen Geisteshaltung. Zwar nicht Kirchenmusik (da die Orthodoxie nur A-cappella-Gesang kennt), aber zutiefst geistlich. Die unterschiedlichen Ausführungsvarianten entspringen derselben Ideenfülle, mittels ganz schlichter Motivik und Instrumentation ein Auf und Ab der Linien unter Einschluss dezenter Schlagzeugpunkte zu zelebrieren. Sein Dreiklang-Glockenspielcharakter (originärer Tintinnabuli-Stil) bedeutet keine Einbahnstraße permanenter Wiederholungen, sondern ist im Gegenteil Klangentwicklungs-Quelle. Auch hier die Unendlichkeit des Bordun-Orgelpunkts der Celli und Kontrabässe, die gedämpften Streicher. "Fratres" bleibt bei aller Entfaltung ein lyrischer Ruhepunkt.

Strawinskys "Psalmensinfonie" in lateinischer Sprache hat gleichfalls den Charakter eines persönlichen Glaubensbekenntnisses, zugleich als Rückkehr von allem Experimentellen zur "klassischen" Tonalität. Da ist nichts abgestanden Triviales, sondern die Glut des Herzens. Die Psalmen 38, 39 und 150 sind die ergiebigen Quellen einer expressiv spannungsgeladenen Komposition, die – entgegen aller vordergründigen Erwartungshaltung – ausgerechnet beim großen Lobpsalm 150 sowohl das "Alleluja" als auch die Aufforderung "Laudate (Dominum)", "Lobet" (den Herren) in voller Ehrfurcht demütiger Haltung langsam, leise verinnerlicht wiederholt wurde.

Der riesige Orchesterpart mit vielfach besetzten Flöten, Oboen, Englischhörnern (nomen est omen), Blechbläsern, zwei Klavieren, Celli, Kontrabässen und Schlagwerk wuchs in allen Teilen über sich selbst hinaus, auch die chorische Zurückhaltung teilend. Und der Bachchor war nicht nur ein williger Klangkörper in den Händen des kompetenten Dirigenten Hahn, sondern ein überaus agiler, der mit Spürsinn für alle Details seine Aufgabe mustergültig einlöste. Ein erhebender, ergreifender Konzertabend, der zu einem Juwel des Festivals geriet: Summa cum laude.

Peter Skobowsky

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Gmünder Tagespost, 06.08.2010

Wenn sich die Musik mit der Stille verbindet

Bachchor Stuttgart und Südwestdeutsche Philharmonie Konstanz interpretieren im Heilig-Kreuz-Münster moderne Kompositionen.

Auf der Suche nach neuen Klangdimensionen und einer sehr innigen Form des Gebets sind Kompositionen der Gegenwart vielschichtige Werke gelungen. Die Meditation der Klänge macht eine spürbare Weite auf. In der Interpretation der Südwestdeutschen Philharmonie Konstanz und des Bachchors Stuttgart öffneten sich jene spirituelle Klangwelten für die Zuhörer im Heilig-Kreuz-Münster. An diesem Abend herrschen die leisen, die feinen Töne vor. Solche, die in der Seele nachklingen und dort ihre Tiefe entfalten, solche, die nachdenklich zurücklassen, auch tröstend, manchmal aufrüttelnd, immer subtil.

Jörg-Hannes Hahn, Leiter der beiden Ensembles, hat diesen Anspruch an sich und die Zuhörer im Programm vorgegeben. Die Spannung liegt in der Stille. Kaum hörbar, kaum wahrnehmbar klingt eine Stimme, ein Knabensopran, vom Tonband.

Das leichte Rauschen der Aufnahme macht die Distanz fühlbar. Unwirklich, jenseitig, fremd. Ein stoisches Klopfen aus den Reihen des Orchesters haucht der Musik des georgischen Zeitgenossen Gija Kantschelij Leben ein. Die "Morning Prayers" entfalten die Wirkung. Langgezogene Vorhalte vibratoloses Unisono bestimmen den Streicherklang, gläsern wirkt das Flageolett der Sologeige.

Entrückt und sphärisch übernimmt das Klavier den Puls des Gebets, die Spannung steigt ständig im fließenden Klangstrom des bedächtig und aufmerksam spielenden Orchesters. Allein der G-Dur-Schluss bricht in einem einzigen Akkord des Klaviers die Zuversicht auf. Dort hinein legt Jörg-Hannes Hahn die farbigen "Chichester Psalms" von Leonhard Bernstein, eine dreiteilige Folge von Psalmen für Chor und Orchester mit den Texten in hebräischer Sprache. Herrliche Musik öffnet sich da in den ungewöhnlichen Harmoniewendungen und dem schillernden Schlagwerk. Der Chor fächert mühelos das Unisono in gleichströmige Mehrstimmigkeit auf und umfasst die unterschiedlichen Charaktere der Psalmen: "Jauchzet dem Herrn, aller Lande!" bis hin zu "Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal…" Diesen lyrischen Teil der Psalms füllt die geradlinige, strahlende Stimme des jungen Frederik Callies von den Aurelius-Sängerknaben. Der Chor nimmt die Stimmung auf, führt sie weiter, entwickelt sie, überwindet heikle Modulationen.

Im Bachchor hören die Sängerinnen und Sänger aufeinander, im Bestreben, den Gesamtklang leuchten zu lassen. Etwas mehr Expressivität hätte man sich allerdings vom Chor in der "Psalmensinfonie" des russischen Kosmopoliten Igor Strawinsky gewünscht. Man verharrt zu sehr in der gepflegten stimmlichen Einheit und lässt die stark besetzten Bläser den Charakter herausarbeiten. Die Präsenz des Chores erwacht im dritten Satz "Alleluja! Laudate Dominum". Auf ein energisches Streicher-Pizzicato und einen charmanten Bläser-Reigen setzt sich ein schöner, klarer Chor-Sopran in einen chromatischen Anstieg, der in einer effektlosen Schlussphase endet. Vielleicht tat sich der Chor zu Beginn von Strawinskys Psalmen deshalb etwas schwer, weil Jörg-Hannes Hahn davor die überaus meditativen "Fratres" von Arvo Pärt gestellt hat. Das Orchester spinnt hier ein schlichtes Geflecht der Stille in neunteiliger Folge. Ein dumpfes Klopfen des Schlagwerkes markiert pulsierend das Ende jeder Sequenz.

Immer "irdischer", immer tiefer werden die Tonfolgen. Sie sinken ab, fast so, als ob das Gebet mitgenommen werden kann und der Jenseitigkeit entgleitet. Die Musik verbündet sich gleichsam mit der Stille. Die Stimmung indes bleibt in den Zuhörern zurück. Nach einer langen Pause erst beginnt der große Applaus für ein tiefstberührendes Konzert.

EKM

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Stuttgarter Zeitung, 3.08.2010

Wenn der Kontrapunkt die Ohren putzt

Ludger Lohmann überzeugt beim Orgelsommer in Cannstatt

Wie der Organist und Kantor Jörg-Hannes Hahn einmal sagte, gilt sein Interesse der Neuen, seine Liebe aber der Alten Musik. Eine Zerreißprobe ist dies allerdings nicht für ihn. Exemplarisch mag dafür seine sommerliche Orgelkonzertreihe in der Cannstatter Stadtkirche gelten. Zu dieser bat er von 2005 an unter dem Titel Stuttgarter Orgelsommer. Jetzt nennt er die Reihe knapp, schlicht und flott: "Sommer! 6 x Orgel".

Seinem Konzept, weil erprobt und für gut befunden, ist Hahn treu geblieben. Die Konzerte dürfen nur eine gute Stunde dauern, etwas von Bach muss auf Fälle dabei sein und etwas von einem Komponisten der Romantik. Diesmal fiel die Wahl auf Max Reger und insbesondere auf dessen freie, also nicht choralgebundene Werke. Und wie immer dürfen die Interpreten auch diesmal Musik nach ihrem Gusto mit den Vorgaben kombinieren.

Begonnen wurde die Reihe nun von Ludger Lohmann. Er hat sich im Lauf seiner Organistenkarriere nebst Orgelprofessur an der Stuttgarter Musikhochschule durch die Alte Musik, dann durch die französische Orgelsinfonik und schließlich durch die Moderne gearbeitet.

Lohmann ist ein Organist für alle Fälle. Sein Orgelrecital begann er mit der Passacaglia über einen finnischen Choral op. 41,2 aus dem Jahr 1939 von Günter Raphael, also mit einem Komponisten, der mit allen Wassern der kontrapunktischen Kunst gewaschen war, zwölftönig experimentierte, aber nie dieTonalität aufgab. Ludger Lohmann traf diese Wahl der Gemeinsamkeiten wegen, die Raphaels op. 41,2 mit Regers op. 127 hat – etwa die Tonart und die gleiche Anzahl von Variationen. Dass Raphael eher der asketische Typus war, einer, den die Struktur mehr interessierte als der Klang, gerade dies setzte Lohmann mit exquisiter Tempo- und Registerwahl in Szene.

Quasi als Ohrenputzer für Reger gab es nach dem Raphael mit Bachs Passacaglia und Fuge c-Moll BWV 582 Kontrapunktisches in Reinstform. Ludger Lohmann führte mit delikater Betonung der Dissonanzen vor, was Raphael wie auch Reger bei Bach gelernt und dann in ihre eigene Tonsprache übersetzt hatten. Befragt nach einer kurzen Charakterisierung von Regers Musik, gab Lohmann zu Protokoll, diese sei "eine brisante Mischung aus Melancholie und Cholerik". Mit welch intellektueller Energie Reger diese Polarität in seiner Musik doch in der Balance zu halten wusste, ließ sich an der Interpretation von LudgerLohmann auf das Beste ablesen.

Annette Eckerle

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Stuttgarter Zeitung, 18.06.2010

Am Rand des Abgrunds

Komponistenporträt In Cannstatt hat Heinz Holliger sein Werk erläutert.

Schnell wurde in diesem Konzert klar, dass der Mann ein Grenzgänger von Gnaden ist: Heinz Holliger, Schweizer Komponist, Oboist und Dirigent, geht in seiner Musik aufs Ganze. Auch die letzte Grenze, der Tod, schreckt den mittlerweile 71-Jährigen nicht. Ein Glücksfall, dass Holliger beim 300. Konzert der Reihe MUSIK AM 13. in der Stadtkirche Bad Cannstatt selbst zu Gast war, persönlich und mit Humor über seine Musik sprach und seine ständige Suche nach der Vereinigung von Gegensätzlichem anschaulich werden ließ.

In der Pfingstkomposition "Introitus für Tonband" von 1986 etwa erprobte er in Windgeräuschen und vereinzelten Fetzen gregorianischer Choräle die Verbindung von Musik, Sprache und spiritueller Erfahrung. Auch den Interpreten seiner Musik verlangt Holliger Grenzwertiges ab, so in "Rechant für Klarinette" aus dem Jahr 2008, einem durch die oberen und unteren Extremlagen des Instruments schweifenden Klagegesang auf einen tödlich verunglückten Freund.

Nicht jedes Experiment gelingt indes: Die technisch vertrackte viersätzige Partita für Klavier von 1999, von Bernhard Haas für Orgel bearbeitet und in Cannstatt erstmals vollständig aufgeführt, gewinnt zwar an Klangfarben, verliert in dieser Version aber an Struktur und damit Plastizität. Der Höhepunkt des Abends kam aber ohnehin am Schluss mit "Puneigä", einem 2002 abgeschlossenen Liedzyklus auf Texte der piemontesischen Dichterin Anna Maria Bacher. In deren "Pumatter Titsch", einer zuvor nur mündlich überlieferten Sprache mit herbem alemannischem Charme, fand Holliger die "unverbrauchte Sprache" seiner Wahl. Klar und spröde, oft geräuschhaft und so unsentimental wie die Texte um Vergänglichkeit und Tod gestaltet Holliger die Partien für Stimme und Instrumentalensemble. Herausragend gelangen der Sopranistin Sylvia Nopper expressive Stimm- und Sprachgestaltung, den Spielern suggestive Klanglandschaften.

Ines Stricker

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Eßlinger Zeitung, 16.06.2010

Zurück zur Natur

Heinz Holliger im Porträtkonzert in der Reihe MUSIK AM 13. in der Stadtkirche Bad Cannstatt

"Ich probiere, nie schwieriger zu schreiben, als es nötig ist." So einfach, wie er es sagt, macht es der Schweizer Komponist Heinz Holliger weder den Musikern noch seinen Zuhörern. Das konnte man jetzt im spannenden Porträtkonzert in der nur mäßig besetzten Stadtkirche in Bad Cannstatt erleben. Denn dem vielseitigen Musiker Holliger, einem der führenden Oboisten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und angesehenen Komponisten war dieses Porträtkonzert gewidmet, für das sich der musikalische Hausherr Jörg-Hannes Hahn wieder prominente Unterstützung geholt hat: Ewald Liska, langjähriger SWR-Redakteur für den Bereich geistliche Musik, sprach mit dem Komponisten über seine Werke und über die Frage, ob er "nicht auch mal einfache Stücke schreiben wolle". In der Tat sind Kompositio­nen wie die 1999 entstandene "Partita" komplex und voller musiktheoretischer Feinheiten, die sich dem unkundigen Hörer nicht sofort erschließen.

Die vier Sätze stellt Holliger in konkrete musikhistorische Traditionen, lässt sich etwa für die "Fuga" von Bachs "Wohltemperiertem Klavier" inspirieren, sucht im "Petit Csárdás obstiné" die Nähe zu Franz Liszt und entfernt sich zugleich radikal von diesen großen Vorbildern, findet eine völlig eigene, oft sehr herbe Klangsprache, zersetzt die Musik in kleinteilige Motive, die er zu harmonisch wie formal extrem anspruchsvollen Gebilden schachtelt, die Bernhard Haas in seiner Übertragung für die Orgel in vielfältig schillernde Klänge übersetzt. Überhaupt ist das Suchen nach klanglichen Ausdrucksmöglichkeiten ein wesentliches Prinzip Holligers, was er selbst auf eine schöne Formel bringt: "Ich will weg von den gewohnten Gleisen. Und so entdecke ich das Instrument, wie ein Kind das machen würde. Ich nehme es auseinander und setze es neu zusammen."

Stimmen über Stimmen

Exemplarisch kann man diese Haltung in "Rechant" für Solo-Klarinette hören. Zwei fünftönige Motive nimmt Holliger als Ausgangspunkt für weite Sprünge, dynamische Schwellereffekte und extrem leise Töne in höchster Lage. Vorwiegend gibt sich diese Musik zurückhaltend, erlebt nur gelegentlich dramatische Ausbrüche. Mit bestechender Technik und klanglicher Vielseitigkeit gestaltet Dirk Altmann dieses anspruchsvolle Werk, dem ein typisches Holliger-Klangexperiment vorausging. In "Introitus" kombiniert der 71-Jährige einen simplen Spannungsverlauf aus dem Nichts - hin zu einem Höhepunkt und wieder im Nichts verklingend - mit den Möglichkeiten der elektronischen Kunst. "Introitus" ist die Übertragung des biblischen Pfingstgeschehens in Klänge. Immer mehr Stimmen mischen sich in das Geschehen ein, alle rezitieren denselben gregorianischen Choral, der sich zu einem geräuschhaften Klangband verdichtet.

Die Auseinandersetzung mit der menschlichen Stimme und mit Sprache ist ebenfalls ein Kernmotiv von Holligers Schaffen. Auf der Suche nach einer "unverbrauchten Sprache als Inspiration" ist der Schweizer bei einer Mundart des Piemont fündig geworden, hört darin "schamanische Klänge". Zehn Lieder und eine Handvoll orchestraler Zwischenspiele hat Holliger unter dem Titel "Puneigä" zu einem Lebensreigen addiert, erzählt von den Jahreszeiten und dem allgegenwärtigen Tod, lässt Berggeister aufschimmern und will "den Menschen zur Natur zurückbringen". Mal klingt diese Musik für einen höhensicheren und beweglichen Sopran (Sylvia Nopper) und sechs Instrumentalisten sanft flüsternd, dann stürmisch aufbrausend, gelegentlich auch ekstatisch. Mit raschelnden, murmelnden und beinahe brüllenden Klängen imitiert Holliger Naturlaute, die Jörg-Hannes Hahn klar strukturiert dirigiert.

Markus Dippold

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Stuttgarter Nachrichten, 06.04.2010

Im Bann des Evangeliums

Der Bachchor Stuttgart überzeugt mit Bachs Johannespassion

Der Evangelist Johannes bringt das Leiden und Sterben Jesu sehr direkt und ohne Umschweife auf den Punkt. Von dieser auf das Wesentliche gerafften Erzählform hat sich Bach bei der musikalischen Konzeption seiner Johannespassion leiten lassen. Die zugespitzte Plastizität geht einher mit einem auffallenden Zurückdrängen des betrachtenden und reflektierenden Aspekts.

Unter diesen Vorzeichen hatte die Aufführung des Werks unter Leitung von Jörg-Hannes Hahn am Karfreitag in der bis auf den letzten Platz besetzten Lutherkirche in Stuttgart-Bad Cannstatt großenteils hohe Qualitäten. Mit fest zupackender stimmlicher Kraft, doch selbst noch im forcierenden Elan wohllautendem Timbre vermochte Andreas Post (Tenor, Evangelist und Arien) die Zuhörer in seinen Bann zu ziehen. In gleicher Weise konnte auch Uwe Schenker-Primus (Bass) überzeugen, der den Worten des Pilatus und anderer wörtlicher Rede wie auch den beiden Bassarien und dem Arioso "Betrachte, meine Seel" mit runder und sonorer Stimme Persönlichkeit und Farbe gab. Die Worte Jesu hingegen wurden von Tobias Scharfenberger (Bass) auffallend distanziert gezeichnet, in seiner Sichtweise erlebte man Jesus als einen sich dem Prozess kampflos ergebenden, fast unbeteiligt wirkenden Menschen.

Der Bachchor Stuttgart trug zu der rasanten Abfolge von Rede und Gegenrede der handelnden Personen seinen Teil bei. Insbesondere dem Chorsatz "Lasset uns den nicht zerteilen" konnte man da durch Hahns atypische Wortbetonung hohen Reiz abgewinnen. Das auffallend klein besetzte Bachorchester Stuttgart bewies – etwa in der Instrumentaleinleitung zum Eingangschor – sein Vermögen zu einer sensibel abgestuften Balance und glänzte mit feinen Bläserfarben. Die beiden Vokalsolistinnen (Barbara Baier, Sopran; Sonja Koppelhuber, Alt) hätte man sich stimmlich leichter und geradliniger gewünscht.

Thomas Bopp

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Eßlinger Zeitung, 17.02.2010

Sakraler Atem

"Petite Messe Solenelle" in der Stadtkirche Bad Cannstatt

Die 1829 in Paris mit größtem Erfolg auf die Bühne gebrachte Oper "Guillaume Tell" sollte den Endpunkt seiner steilen Opernkarriere bilden. Und Gioacchino Rossini hielt sich die kommenden drei Jahrzehnte daran. Außer dem "Stabat Mater" waren keine größeren Werke mehr entstanden. Kleinere Gelegenheitswerke, vornehmlich für Klavier, nannte er "seine Alterssünden". Seine letzte Komposition von 1864, die "Petite Messe Solenelle", stellt mit 90 Minuten Dauer allerdings nicht nur ihren Titel in Frage, sie ist auch alles andere als ein unbedeutendes Gelegenheitswerk.

Anlässlich seiner Aufführung der "Petite Messe Solenelle" in der Cannstatter Stadtkirche hatte es Jörg-Hannes Hahn jetzt überzeugend verstanden, die Diskrepanz zwischen dem mitunter recht buffonesken Tonfall der Vokalsoli dieser Messe und den Chorabschnitten, die zum Teil von der intensiven Beschäftigung Rossinis mit der Kirchenmusik der alten Meister und dem Kontrapunkt Zeugnis ablegen, aufzuheben. Da passte selbst noch ein a-cappella-Satz wie das "Christe eleison", das ganz den Geist der Renaissancemusik atmet und das von Hahns gut vorbereitetem Vokalensemble Cantus Stuttgart vorbildlich transparent gesungen wurde, ohne größere Not zu Rossinis opernhafter Attitüde des Tenorsolos im "Domine Deus". Dabei bestand Alexander Yudenkov, der kurzfristig den erkrankten Tenor Robert Morvai ersetzt hatte, die Gratwanderung zum sakralen Inhalt dank seiner mit weitem Spektrum differenzierenden Ausdrucksgebung mit Bravour. Auch die anderen Vokalsolisten trugen dazu bei, dass Jörg-Hannes Hahns sehr spannungsreich interpretierte Lesart der Partitur den Geist einer Musik preisgab, die ungeachtet ihrer stilistischen Bandbreite durch und durch sakral intendiert ist: die dem "Crucifixus" einfühlsam und ausdrucksreich Gestalt gebende Sopranistin Johanna Zimmer oder die für Renée Morloc eingesprungene und ihren Part mit angenehmem Alt-Timbre präzisierende Kora Pavelic oder der stimmgewaltige, doch seinen Bass flexibel und rund haltende Attila Jun.

Dazu gehörte auch der Part von Felix Romankiewicz (Klavier), der die kompositionstechnisch tragende Rolle des Klaviers und so auch das vor dem Sanctus eingeschobene "Prélude réligieux", das Rossinis Beschäftigung mit Bachscher Musik spiegelt, lebendig und sensibel auszuformulieren verstand.

Dass die in diesem Zusammenhang so eigentümliche Farbe des Harmoniums (Hanna Kim) in der Balance etwas unterbelichtet blieb, war nur ein Schönheitsfehler einer ansonsten hochlöblichen Aufführung, die ihre Meriten nicht zuletzt auch dem Chor verdankte: Beweglich in der fein abgestuften Dynamik, klanglich luftig und in der Lage, strahlkräftig erstarken zu können, dazu wortdeutlich und deklamatorisch prägnant bewies Hahns Kammerchor Cantus Stuttgart seine Fähigkeit zu großer innerer Spannkraft.

Sebastian Quint

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Eßlinger Zeitung, 11.01.2010

Die Reportage – Die Erschaffung der Neuen Musik Neue Musik ist eng verbunden mit den Feldern Technik, Elektronik und Informatik. Für Komponisten stellen sie heute schier unumgängliche Produktionsmittel dar. Überhaupt entpuppt sich das Komponieren als recht nüchterne Kunst. Seite 16

Inspiration und Alltag

Von zahlreichen posthum gefeierten Komponisten ist bekannt, dass sie in katastrophalen finanziellen Verhältnissen lebten. Mit Unterhaltungsmelodien lässt sich heute gutes Geld verdienen. Dagegen ist die sogenannte ernste Musik ein hehres, aber noch immer eher brotloses Geschäft. Mit dem bloßen Ertrag ihrer Werke kämen auch die Komponisten Georg Wötzer, David Kosviner und Ori Talmon nicht über die Runden.

Richard Wagner in seiner üppig ausgestatteten Villa Wahnfried, umhegt von der treu sorgenden Gattin; Wolfgang Amadeus Mozart in ärmlicher Behausung, auf dem Totenbett ausgerechnet dem größten Konkurrenten sein letztes Werk diktierend – solche Bilder streiten sich im Kopf, wenn man sich einen Eindruck davon verschaffen will, was ein Komponist tut, wie und wo er es tut. Ein Konzertprojekt in Stuttgart-Bad Cannstatt nehmen wir zum Anlass, der Spannung zwischen Inspiration und Alltag im Leben eines Komponisten nachzuspüren. Zum Beispiel: Georg Wötzer (63), gebürtig in Stuttgart, wohnhaft in Esslingen; David Kosviner (52) aus Südafrika, seit langem Wahl-Stuttgarter; Ori Talmon (35), Israeli, in der Mitte eines zweijährigen Stuttgart-Aufenthalts.

Neue Musik – nicht die populäre, sondern die, die man in Deutschland ungenau, aber unumgänglich die "ernste" nennt – ist zumeist keine einfache Angelegenheit. Wer neue Musik komponiert, braucht Überblick. Georg Wötzer kann von seinem Heim in Oberesslingen ins Neckartal schauen, und Ori Talmons Stuttgarter Wohnung bietet ein Panorama von der Karlshöhe bis zum Charlottenplatz. Von den Podien, auf denen die moderne Musik gespielt wird, blickt man zumeist auf eine überschaubare Zahl von Hörern hinab. In der Wochenzeitung "Die Zeit" zog im Oktober ein Artikel, der die Schwierigkeiten beim Hören der vermeintlich unharmonischen Musik mit Erkenntnissen der Gehirnforschung zu begründen versuchte, ein hitziges Pround- Kontra-Gefecht im Internet nach sich. Georg Wötzer sagt: "Ich will schon, dass möglichst viele Hörer meine Musik verstehen." David Kosviner meint: "Jeder hat seine eigene Vision".

In Georg Wötzers Studio im Oberesslinger Dachgeschoss treffen sich mehrere Generationen der Computertechnik. Während man bei dem alten Analog-Synthesizer noch mit Klinkensteckern und Kabeln "patchen" musste, unterscheidet sich Wötzers PC nicht vom gängigen Computer. Auch die komplexesten Klänge werden mit handelsüblichen Tastaturen und Mausklicks und mit Software erzeugt, die kaum noch spezielle Geräte benötigt. Für einen jüngeren Komponisten wie Ori Talmon, in dessen Arbeitszimmer die Software-Handbücher gleichberechtigt neben den Musiklexika stehen, ist das Komponieren am Computer nichts Außergewöhnliches. Georg Wötzer hingegen hat als Student die ersten Synthesizer kennen gelernt und musste erst einmal begreifen, dass "diese Geräte auch Musik machen konnten". Nach dem Studium erarbeitete er sich Schritt für Schritt den Umgang mit der Elektronik und kaufte sich seinen Synthesizer in einzelnen Modulen zusammen. "Ich wurde dann schnell recht virtuos", erzählt Wötzer, der im Rahmen seines Lehrauftrags für Musiktheorie an der Stuttgarter Musikhochschule mit dem Informatik- Studiengang der Universität zusammenarbeitet und in seinen eigenen Kompositionen die vielfältigen Möglichkeiten der Elektronik einbezieht. Elektronik macht den Komponisten mächtig, mit ihrer Hilfe kann er alles kontrollieren.Oder nicht? "Nein", erklärt Georg Wötzer, "sie bringt nur neue Elemente ein". Und Ori Talmon ergänzt: "Der Computer ist wie ein zusätzliches Instrument, er öffnet neue Räume". Talmon hat in Tel Aviv ein Informatikstudium abgeschlossen, bevor er sich der Komposition widmete. Wer daraus ein Zielbewusstsein erkennen will, irrt. Im Elternhaus wurde zwar viel klassische Musik gehört, und der kleine Ori vereinnahmte unversehens das für seine ältere Schwester angeschaffte Klavier. Während der Schulzeit sei aber das Interesse an Technik und Wissenschaft in den Vordergrund getreten, und erst nach Beginn des Informatikstudiums meldete sich die Musik zurück: "Ich ging in eine Richtung und wurde in die andere gezogen", erzählt Talmon. Er schloss in Informatik ab, arbeitete eine Weile im High-Tech-Business, verdiente gut und wechselte dennoch die Richtung. "Eines Morgens habe ich gewusst, was zu tun war": Er bewarb sich an der Musikhochschule in Tel Aviv, absolvierte ein Kompositionsstudium und richtete den Blick dann nach Europa. Warum ausgerechnet Stuttgart? Für den Südafrikaner David Kosviner war es die Persönlichkeit von Helmut Lachenmann, die ihn ins Württembergische zog. Auch er hatte seinerzeit bereits das eigentliche Studium hinter sich – in Kapstadt – und baute in Deutschland darauf auf. Das ist inzwischen fast ein Vierteljahrhundert her. Sesshaft geworden sei er in Stuttgart, sagt Kosviner, aber dennoch fühle er sich eigentlich immer "wie auf der Durchreise". Für einen Komponisten sei der Ort nicht sehr bedeutsam, an dem er arbeite. Ori Talmon braucht vor allem Ruhe am eigentlichen Arbeitsplatz, weiß aber auch die Möglichkeiten zu schätzen, die Stuttgart bietet. An fünf deutschen Musikhochschulen habe er sich um ein Aufbaustudium beworben, alle fünf hätten ihm zugesagt, Stuttgart mit dem Kompositionsprofessor Marco Stroppa sei seine erste Wahl gewesen, erklärt Talmon. Aber ist die Landeshauptstadt ein guter Platz für die Neue Musik? Ja, ist sich Ori Talmon sicher. Immer noch, sagt Georg Wötzer, obwohl er ein wenig nostalgisch auf die 80er- Jahre zurückblickt, die auch für Esslingen in dieser Hinsicht "goldene Zeiten" gewesen seien – mit zahlreichen Veranstaltungen und Fördermöglichkeiten. David Kosviner verweist darauf, dass Komponisten immer auch Individualisten seien, trotz projektorientierter Zusammenarbeit letzten Endes in einer gewissen Einsamkeit aus ihrer Kreativität schöpften. Daraus entstehe immer wieder gegenseitiges Interesse, nicht Konkurrenzbewusstsein oder Neid. In dieser Hinsicht sprechen allerdings persönlich gefärbte Auseinandersetzungen im Umkreis von Festivals wie den Donaueschinger Musiktagen oder den Darmstädter Ferienkursen für Neue Musik eine andere Sprache – Internetforen und Weblogs breiten reichlich Häme und Spott aus. Die zumeist öffentlichen Geldtöpfe, aus denen sich die Neue Musik nicht unerheblich speist, werden eben nicht üppiger – die dann doch nicht verwirklichte Absicht der Stadt Stuttgart, das Festival "Eclat" nicht mehr zu unterstützen, hätte enorme Auswirkungen auf die Arbeit zahlreicher Komponisten gehabt, und dies ist nur ein Beispiel unter vielen.

Kann man vom Komponieren leben? Selbst die führenden zeitgenössischen Komponisten, von denen einer in Baden (Wolfgang Rihm) und einer in Württemberg (Helmut Lachenmann) ansässig ist, haben Professorenstellen inne. Georg Wötzer sagt, er habe "Glück gehabt" mit seinem Lehrauftrag – "sonst müsste ich eben einen Chor leiten oder Klavierstunden geben". David Kosviner erwähnt in seiner Kurzbiografie ganz offen, dass er sich zeitweise als Weinverkäufer durchgeschlagen hat und Ori Talmon schließt nicht völlig aus, dass er auf seine Vergangenheit als Informatiker irgendwann zurückkommen muss. Als Komponist kann niemand auf eine Anstellung hoffen, man ist abhängig von Stipendien und Aufträgen, von Mäzenen und Rundfunkanstalten. Anlass zur Nostalgie besteht allerdings auch hier nicht: Johann Sebastian Bach komponierte sein überreiches Werk "nebenbei" – er war als Hofmusiker und später als Thomaskantor in Leipzig gut ausgelastet. Georg Friedrich Händel schlingerte in London ständig am Bankrott vorbei und konnte froh sein, dass die ihm gewogene Königin eine Rente aussetzte. UndRichard Wagner? Der lebte recht fröhlich auf Kosten seines königlichen Fans und trug zu dessen Untergang nicht unerheblich bei. Wie vertragen sich Existenzsorgen und der ganz normale Alltag, den es schließlich auch noch gibt, mit der Inspiration, von der ein Komponist doch abhängt? David Kosviner zitiert den amerikanischen Künstler Chuck Close ("Inspiration ist etwas für Amateure") und den Komponisten Peter Tschaikowsky, der sich jeden Morgen um neun mit "Mesdames les Muses" am Klavier verabredet habe. Kurzum: Ein gutes Stück Musik entstehe nicht aus Geistesblitzen, sondern aus einer Reihe von Entscheidungen. Ori Talmon sagt, Inspiration könne "von überall her" kommen, von Gemälden, Lektüre oder persönlichen Erfahrungen: "Innere und äußere Welt müssen sich treffen". Manchmal höre er unwillkürlich Musik, meistens spüre er "eine Art Energie". Georg Wötzer wird nicht selten durch weltgeschichtliche Ereignisse zur Komposition angeregt und immer wieder durch seine Beschäftigung mit der jüdischen Kultur, die ihn mit Kosviner und Talmon auch persönlich verbindet. Alle drei arbeiten nie an mehreren Kompositionen gleichzeitig, können (und müssen) zwischendurch abschalten. Georg Wötzer hat die Arbeit am aktuellen Werk mit den Erfordernissen seines Lehrauftrags abzustimmen, was sich zu einem "insgesamt recht chaotischen Berufsalltag" summiert: "Komponieren kann ich eher morgens, und von Montagmittag bis Mittwochabend überhaupt nicht". Auch Ori Talmon schätzt die Morgenstunden für die kreative Arbeit. Bei ihm funktioniere das Komponieren am besten zwischen dem Halbschlaf und dem Moment, "in dem ich ganz wach bin". Er komponiert demnach im Bett? Nein, präzisiert Talmon, manchmal werde man eben erst längere Zeit nach Dusche und Frühstück "ganz wach".

Schließlich: Kann man Komponieren lernen? Und kann man es lehren? David Kosviner hat schon mit acht, neun Jahren "gekritzelt", mit 13 "ernsthaft komponiert". Bei ihm war es eine Schallplatte mit Igor Strawinskys "Sacre du printemps", die ihn erkennen ließ: "Das will ich auch". Die revolutionäre Ballettmusik von 1913, einer der größten Theaterskandale aller Zeiten, hat viele angehende Komponisten fasziniert. Kosviner vergleicht Strawinskys Musik mit "den Schichten eines Siebdrucks", und auch seine eigene Musik habe solche "Schichten" als Grundstruktur. So lernt man vom großen Vorbild, aber es gibt eben auch Unterricht abzusitzen und Diplome anzustreben. Der erste Lehrer brachte den Jugendlichen in Johannesburg mit Musik der führenden zeitgenössischen Komponisten Europas wie Karl-Heinz Stockhausen und Krzysztof Penderecki in Berührung, und Kosviner hatte, wie er heute sagt, ein "Wow-Erlebnis" nach dem anderen. Inzwischen kann er, wie Georg Wötzer auch, aus eigener Unterrichtspraxis berichten und sagt: Nein, eigentlich könne man das Komponieren nicht lehren. "Man kann technische Dinge vermitteln, fördern, lenken und analysieren, aber man kann keine Ideen generieren", fasst er zusammen. Ori Talmon sieht im Unterrichten eine persönliche Perspektive und stellt sich vor, dass der Umgang mit den Studierenden auch den Lehrenden kreativ bereichert. Genau diese Erfahrung hat Georg Wötzer vielfach gemacht: "Ich habe beim Unterrichten selbst viel gelernt. Es ist schön, mit klugen Menschen umzugehen." Mit Notebook, Boxen, Mischpult und Mikrofonen wird sich Georg Wötzer zum Konzert in Cannstatt aufmachen, Ori Talmon wird der Uraufführung seines neuen Werks für das Smadar Quartett entgegenfiebern und dessen vier Musikerinnen werden sich mit den ungewöhnlichen Erfordernissen der zeitgenössischen Musik auseinandersetzen. Denn auch die Mitwirkenden eines Konzerts spielen schon bei der Komposition eine Rolle, meint Ori Talmon – jeder Komponist "spreche" ja eine eigene Sprache, die Ausführenden müssten also ständig neue Sprachen lernen. Gerne sagt man, die Sprache der Musik kenne keine Grenzen. Vielleicht muss man das anders formulieren: Die Musik überwindet immer wieder Grenzen. Aber ganz einfach ist das nicht.

Das Konzert in der Reihe MUSIK AM 13. findet am kommenden Mittwoch um 20 Uhr in der Stadtkirche Stuttgart- Bad Cannstatt statt. Das Konzert wird von Cannstatter Schülern moderiert, die sich vorbereitend mit der Musik beschäftigt haben. Auf dem Programm des etwa einstündigen Konzerts stehen "Esslinger Kaddish I" von Georg Wötzer, "Zorniger Frieden" von David Kosviner und "Modul" von Ori Talmon. Der Eintritt ist frei.

Jürgen Hartmann

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Eßlinger Zeitung, 22.12.2009

Die Kinder gehen in ihren Rollen auf

Konzert "Die Engel" in der vollbesetzten Stadtkirche mit Bachchor und -orchester sowie behinderten und nicht-behinderten Kindern

Bis auf den letzten Platz besetzt war die Cannstatter Stadtkirche bei der Aufführung des Kinderkonzerts "Die Engel" am vergangenen Samstag. Musikalisch begleitet von Bachchor und Bachorchester Stuttgart führten Schüler der Helene-Schoettle-Schule und Kinder der Olgakrippe ein Krippenspiel nach dem Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach auf.

In der Mitte des Kirchenschiffs versammeln sich die Hirten um ihr Lagerfeuer, durch die Gänge pilgern die Heiligen Drei Könige in ihren farbenfrohen Gewändern, um dem Jesuskind in der Krippe ihre Aufwartung zu machen, und an der Decke tanzen die Lichtkegel der Taschenlampen, die den kleinen Engeln den weiten Weg nach Bethlehem weisen. Auf der Bühne singt der Bachchor indes ein imposantes "Vom Himmel hoch, da komm ich her".

Mit Spiel und Gesang, farbenfroh und stimmungsvoll – so präsentierte sich die Aufführung "Die Engel" in der Cannstatter Stadtkirche und sorgte bei allen Anwesenden für eine vorweihnachtliche Stimmung.

Die szenischen Auftritte der Kinder machten die Weihnachtsgeschichte und die Musik Johann Sebastian Bachs besonders erlebbar. Um dessen Stücke, gerade auch für die kleinen Zuhörer, verständlicher zu machen, wurde deren Inhalt vorher erklärt und beispielsweise der Schlusschoral "Ich steh an deiner Krippen hier" besonders leise gesungen. "Um das schlafende Jesuskind nicht zu wecken", wie die Zuhörer erfuhren.

"Ich bin froh, dass alles so gut geklappt hat", freute sich Ulrike Hahn nach der Aufführung. Die Lehrerin der Steinhaldenfelder Förderschule und Leiterin der dortigen Chorgruppe war sichtlich erleichtert, dass die Anspannung der vergangenen Stunden und Tage vorbei war. Schließlich ist ein solch großes Projekt mit zahlreichen Beteiligten keine leichte Aufgabe. Zusammen mit ihren Kollegen traf sie schon in den Herbstferien die ersten Vorbereitungen für das Stück und seit Anfang Dezember standen dann auch die Proben mit den kleinen Schauspielern auf dem Programm. Die Idee zur Kooperation für eine gemeinsame Aufführung in der Vorweihnachtszeit mit dem Bachchor und dem Bachorchester, unter der Leitung ihres Ehemanns Jörg-Hannes Hahn, entstand vor drei Jahren. Mit den Kindern der Cannstatter Olgakrippe, unter der Leitung von Cornelia Elies, haben sie in diesem Jahr neuen Zuwachs erhalten. Das Zusammenwirken von professionellen Musikern und Sängern mit Nachwuchsschauspielern, kleinen und großen, behinderten und nicht behinderten, war ein voller Erfolg. Die Kinder gingen voll in ihren Rollen auf, von Anspannung und Lampenfieber keine Spur.

"Eine wunderbare Einstimmung auf das Weihnachtsfest", fand auch Jörg-Hannes Hahn und die restlos gefüllte Stadtkirche entlohnte für den großen Aufwand im Vorfeld.

jps

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Stuttgarter Nachrichten, 21.12.2009

Oratorium mit straffen Zügeln

Bachchor Stuttgart in der Stadtkirche Bad Cannstatt

Zehn Jahre schon bereichert der von Jörg-Hannes Hahn ins Leben gerufene Bachchor Stuttgart die hiesige Musikszene. Alljährlich präsentiert das Ensemble in der Cannstatter Stadtkirche Bachs beliebtes Weihnachtsoratorium im Gesamten oder in Teilen, doch der Bachchor beschäftigt sich über die Jahre sonst mit ganz anderer Literatur. Hahn legte dem Bachchor Stuttgart und dem aufmerksam artikulierenden Bachorchester Stuttgart anlässlich der am Samstag abend vor 300 Besuchern aufgeführten Kantaten 1 bis 3 straffe Zügel an: Mit schwungvollem Temperament stürzte man sich in den Eingangschor. Und mit geschärfter Deklamation, hoch prägnanter, teils fast schon skandierender Impulsivität wurden auch die anderen temporeichen Chorsätze angegangen. Mit den Vokalsolisten hatte Hahn eine gute Wahl getroffen. Markus Schäfer faszinierte als lebhafter Erzähler, Susanne Krumbiegel überzeugte mit warmem Timbre und ausdrucksvoller Formulierung ihrer Melodiebögen, Tobias Scharfenberger wusste mit schlanker Stimme alles Polternde aus seiner Gestaltungsweise herauszuhalten, allein Anna Maria Frimann entfernte sich mit ihrer hellen Tongebung etwas aus der Balance.

thb

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Eßlinger Zeitung, 16.12.2009

INTERVIEW JÖRG-HANNES HAHN

"Für den Bachchor sehe ich noch Entwicklungspotenzial"

Der Chor wird zehn Jahre alt – Nächste Auftritte am 19. und 20. Dezember in der Cannstatter Stadtkirche

Der Bachchor Stuttgart, der in kirchlicher Trägerschaft ist und unter der Leitung von Jörg-Hannes Hahn steht, wird zehn Jahre alt. Über die Entwicklung des Chores, der am 19. und 20. Dezember jeweils um 19 Uhr in der Cannstatter Stadtkirche auftritt, sprach Iris Frey mit dem Dirigenten. Herr Hahn, wie kam es zur Gründung des Bachchors?

Hahn: Zu Beginn des Jahres 1996 wurden die Chöre der Stadt- und Lutherkirche zur Cannstatter Kantorei vereinigt, die sich in den Folgejahren qualitativ hervorragend entwickelte. Nachdem der Name "Bachchor" in Stuttgart nicht besetzt war und Musikkenner mit einem "Bachchor" landesweit eine hohe musikalische Qualität assozieren, war es für mich naheliegend, dass der Chor sich zum Bachjahr 2000 den Namen "Bachchor Stuttgart" geben sollte, zumal es in den Jahren 1940 bis 1955 unter Erich Ade den Bachchor Stuttgart (zunächst Bachchor Cannstatt) gab.

Mit wievielen Sängern haben Sie angefangen, wieviele sind es jetzt?

Hahn: Im Jahr 1996 bestand die Cannstatter Kantorei aus etwa 40 Mitgliedern, im Jahr 2000 waren es etwas über 50 Damen und Herren. Seit diesem Jahr müssen alle neuen Mitglieder eine Aufnahemprüfung machen. Heute besteht der Bachchor aus 90 Sängerinnen und Sängern. Dies ist für mich die zahlenmäßige Obergrenze, da ein größerer Chor nur in Maßen leicht, hell und transparent musizieren kann.

Was war und ist das Ziel des Chors?

Hahn: Der Bachchor hat seine Wurzeln in der kirchlichen Arbeit und soll diese behalten: das gottesdienstliche Musizieren und das Konzertieren. Für mich ist gute Kirchen-musik wichtig, dies schließt sorgfältig ausgewählte Programme ein wie auch gekonntes Musizieren. Am besten ist dies möglich mit einem Ensemble, das auch menschlich harmoniert.

Wo hatten Sie bislang Auftritte?

Hahn: Die meisten Auftritte finden in den beiden großen Cannstatter Kirchen, der Lutherkirche und der Stadtkirche statt, natürlich waren wir etwa für Benefizkonzerte häufig in Stuttgart oder in der Region unterwegs. Der Bachchor unternahm Konzertreisen etwa nach Prag, Berlin und mit Mozarts berühmter c-moll-Messe nach Rom. Im Sommer 2010 werden wir ein größeres Konzert bei den Tagen "Europäischer Kirchenmusik Schwäbisch Gmünd" bestreiten und einen Gottesdienst beim Musikfest Stuttgart.

Auf welche besonderen Erfolge blicken Sie?

Hahn: Nicht primär der Dirigent hat Erfolg, sondern die Ensembles. Besonders im Gedächtnis sind mir unsere kürzliche Aufführung des "Elias" in der Lutherkirche, Michael Tippetts spannungsgeladenes Oratorium "A child of Our time" am Karfreitag diesen Jahres oder Pendereckis "Lukas-Passion": Dieses Mammutwerk ist eine große Herausforderung, der sich stets nur sehr wenige Chöre stellen können.

Welche Pläne haben Sie noch mit dem Bachchor?

Hahn: Nachdem wir in der Vergangenheit viel Neue Musik gemacht haben mit Wiener Klassik und Romantik, soll 2010 das Werk Bachs mit der Johannes-Passion respektive der h-moll-Messe in den Focus rücken. Für 2011 ist eine Konzertreise in das Ausland geplant, vielleicht lässt sich auch eine CD realisieren. Was für Chor und Dirigent immer auch im Vordergrund stehen muss, ist die Qualitätssteigerung des Ensembles. Der Bachchor Stuttgart hat seit dem Jahr 2000 eine bemerkenswerte Entwicklung genommen, ich sehe noch Entwicklungspotenzial – und das schöne ist: der Bachchor hat Lust, noch weitere Stufen zu erklimmen. Ich wünsche dem Chor weiter Freude am Musizieren in Kirche und Konzertsaal und Anerkennung seiner wichtigen Arbeit in beiden Kirchengemeinden.

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Eßlinger Zeitung, 11.12.2009

Ein himmlisches Durcheinander

Die Schüler der Helene-Schoettle-Sonderschule führen in der Stadtkirche ein Weihnachtsoratorium nach Bach auf

Getobe und Gekicher – so lebhaft geht es in der Cannstatter Stadtkirche selten zu. Die Proben für das Kinderkrippenstück "Die Engel" nach Johann Sebastian Bach gehen in die Schlussphase. Mehr als 60 Schüler der Förderschule Helene-Schoettle-Schule aus Steinhaldenfeld und der Olgakrippe Bad Cannstatt machen mit.

Mittendrin steht Ulrike Hahn, Sonderschullehrerin an der Helene-Schoettle-Schule und gibt Anweisungen: "Jetzt die Engel", ruft sie und unter der Musik des Weihnachtsoratoriums von Johann Sebastian Bach zieht eine Gruppe von Engeln gemessenen Schrittes durch das Kirchenschiff Richtung Altar. Für einen Moment ist das Tohuwabohu unterbrochen, die gut 30 Kinder, die an diesem Morgen in der Kirche proben, werden ruhig. Eine von den größeren Engeln ist Funda. Die 13-jährige türkische Schülerin ist die Anführerin der Engelgruppe, gewissenhaft schaut sie danach, dass die kleinen Engel nicht aus der Reihe tanzen. "Ich bin der Oberengel", sagt sie und lacht. Sie ist Muslimin, das Bayramfest am Ende des Fastenmonats Ramadan hat für sie eine größere Bedeutung als Weihnachten. "Aber Weihnachten ist mir auch sehr wichtig", sagt sie. Dann komme ihre Familie zu einem Festessen zusammen.

In zwei Wochen werden die Jugendlichen der Helene-Schoettle-Schule und der Olgakrippe Bad Cannstatt gemeinsam das Krippenspiel "Die Engel" aufführen. Knapp eine Stunde wird das Stück, das auf der Musik von Bachs Weihnachtsoratorium basiert, dauern. Mehr als 60 Kinder spielen mit, große und kleine, behinderte und nicht behinderte, zudem der Bachchor und das Bachorchester Stuttgart – ein Mammutprojekt. Doch Ulrike Hahn, die in der Helene-Schoettle-Schule den Chor leitet, schreckt das nicht. Bereits im vergangenen Jahr hat sie zusammen mit Kollegen und ihrem Mann Jörg-Hannes Hahn, der in Cannstatt die Kirchenmusik an der Stadtkirche leitet, ein Weihnachtsstück aufgeführt. "Richtig fertig ist das Stück erst am Tag der Aufführung", sagt sie. "Aber die Erfahrung hat uns recht gegeben, dass es machbar ist." Immer wieder höre sie die Frage, ob sie die Kinder mit dem Stück überfordere. "Nein", sagt Ulrike Hahn. "Wir wollen die Kinder an unserem Kulturgut teilhaben lassen, deswegen müssen wir sie fordern."

Shayanthan lässt sich gerne fordern. Mit großem Ernst ist der Zwölfjährige bei der Sache. Er gibt dieses Jahr den heiligen König Balthasar, würdevoll rückt er sich die Krone zurecht, prüft. "Das schönste ist das Schlusslied", findet er. "Ich steh an Deiner Krippen hier" heißt es und wird von allen Spielern und Sängern zum Abschluss gesungen.

Sieben Lehrer an diesem Morgen sind damit beschäftigt, die vielen Engel, die Heiligen Drei Könige und die Hirten zum richtigen Zeitpunkt an den richtigen Platz zu dirigieren. Neu ist in diesem Jahr, dass auch kleinere Kinder aus der Olgakrippe dabei sind. Die Idee zu dieser Zusammenarbeit kam spontan – die Tochter von Ulrike und Jörg-Hannes Hahn besucht die Olgakrippe. Vor der Zusammenarbeit im Weihnachtsstück hat es schon mehrere gegenseitige Besuche gegeben, die Kinder und Jugendlichen kennen sich nun. Cornelia Elies von der Olgakrippe ist angetan: "Ich möchte den Kontakt mit der Helene-Schoettle-Schule fortsetzen."

Annegret Jacobs

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Stuttgarter Zeitung, 16.11.2009

Wenn die Orgel kreischt

In Bad Cannstatt hat es ein Konzert für Milko Kelemen gegeben.

Die Orgel flüstert, zischt und brüllt. In unaufhörlicher Bewegung kreisen schnelle, kleinteilige Motive durch die Register. Wie eine groß angelegte, vielstimmige Erzählung wirkt Milko Kelemens "Fabliau" von 1972. Der gebürtige Kroate, der seit vielen Jahren in Stuttgart lebt, feierte in diesem Jahr seinen 85. Geburtstag – Grund genug für den Cannstatter Kantor Jörg-Hannes Hahn, das jüngste Konzert der Reihe MUSIK AM 13. diesem Komponisten zu widmen. Der ist kein avantgardistischer Neutöner, sondern eher daran interessiert, mit traditionellen Techniken Neues zu schaffen, das den Hörer nicht verschreckt. Kelemen setzt auf unmittelbare, klangsinnliche Effekte. Und so muss Jörg-Hannes Hahn in "Fabliau" nicht nur tumultartige Sequenzen in atemraubender Geschwindigkeit spielen, er muss auch flüstern, kreischen und stöhnen, was elektronisch verstärktwird und die hochkomplexe Kakophonie ins Groteske überhöht. Exaltierte Momente prägen auch das im Jahr 2003 entstandene "Inferno".

Furchterregende Crescendo-Momente

Stephanie Haas macht mit dunkel-herbem Mezzosopran aus dieser Dante-Vertonung ein klangliches Katastrophengemälde. Deklamierte Passagen wechseln sich mit dramatischen, opernhaften Linien ab. Mal setzt die Sängerin grell-flache Töne an, dann steigert sie sich zu düster-pathetischen Ausbrüchen, während ihr Partner Christoph Haasdemgroßen Gongfurchterregende Crescendo-Momente entlockt. Mit Filzschlägeln, Metallstäben und den Händen bearbeitet er das Instrument, dessen dröhnende Klänge mühelos den Kirchenraum füllen können. Nicht ganz so eindrucksvoll war das letzte Stück des Abends, "Incanto" für Solo-Violine. Kelemen testet dabei die Spielmöglichkeiten der Geige aus. Flageolett- Passagen werden gepaart mit technisch anspruchsvollen Spiccato-Motiven. Finger-Pizzicati und kraftvolle Linien auf der tiefen G-Saite kontrastieren miteinander. Elegische Klänge dominieren, werden aber auch vonsprachartigemFlattern abgelöst. Joachim Schall, Konzertmeister des Staatsorchesters, bewältigt diese Herausforderung mit souveräner Gelassenheit.

Aufgeregte Flüsterpassagen

Den stärksten Eindruck aber hinterließ die Uraufführung von "Daniel" für gemischten Chor ŕ cappella. Hahns Kammerchor cantus_stuttgart erweist sich dabei als beeindruckendes Ensemble, das vierteltönige Passagen, weit gefächerte Akkorde, rhythmisch vertrackte Linien und Vocalisen in höchster Sopran-Lage nicht nur mühelos, sondern vor allem ausdrucksstark und klangschön beherrscht. Oft teilt Kelemen den Chor in Ober- und Unterstimmen, setzt archaisch wirkende Bordun-Klänge neben aufgeregte Flüster-Passagen. Chromatisch entfaltete Akkorde stehen neben schlichten Melodien und erzählen in drastischer Deutlichkeit vom alttestamentarischen Daniel in der Löwengrube.

Markus Dippold

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Esslinger Zeitung, 16.11.2009
Neue Musikzeitung/nmz ONLINE, 17.11.2009

Einfach kompliziert

Porträtkonzert zum 85. Geburtstag des Komponisten Milko Kelemen in der Stadtkirche Bad Cannstatt

Der kroatische, heute in Stuttgart lebende Komponist Milko Kelemen antwortete kürzlich in einem Interview auf die Frage, woran man ein gutes Musikstück erkenne: "an der Liebe." Im Porträtkonzert anlässlich seines 85. Geburtstags, das Jörg-Hannes Hahn im Rahmen der Konzertreihe MUSIK AM 13. in der Stadtkirche Bad Cannstatt leitete, dürfte sich Kelemen auf Interpretenseite vieler Brüder und Schwestern im Geiste sicher sein. Vor allem der Geiger Joachim Schall, der sich an diesem Abend Kelemens fantasieartiges Violinsolostück "Incanto" von 2004 vorgenommen hatte, ist ein Musiker, der stets mit sehr viel Liebe an neue Werke herangeht. Dank seiner profunden Beherrschung seines Instruments und seines schönen, warmen Tones glückten ihm die schnellen, sprudelnden Läufe genauso delikat wie die frei sprechenden Tonfälle oder die in ihrer Faktur oft an Bachs mehrstimmige Violinsolowerke erinnernden Passagen. Selbst Geräuschhaftes, das Kelemen mit Vorliebe in seine Stücke integriert, klingt bei Schall so, als verzehre er gerade eine schmackhafte Speise.

Von "komplizierter Einfachheit" spricht Kelemen, wenn er erklären möchte, warum er sich schon früh von der Dodekaphonie und dem Serialismus abgewandt hat, um seinen eigenen Weg zu gehen und dem Intellekt wieder das Gefühl zur Seite zu stellen. Neuartige Gestaltung könne auch ohne komplizierte Kompositionstechniken erreicht werden: mit musikalischen Archetypen, die fest im kollektiven Unbewussten verankert seien, so Kelemen frei nach C.G. Jung.

Vielleicht gab das "Inferno di Dante. Canto III" für Mezzosopran und Gong von 2003 diese Ästhetik am besten wieder: Christoph Haas entlockte dem Gong schillernd-farbige Klänge, die sich langsam ins Infernalische steigerten. Spätestens da setzte das Zwiegespräch zwischen dem Gong und dem aufwühlenden Sprechen und Singen der Vokalistin Stephanie Haas wahrhaft archaische Gefühle frei.

In dem Stück "Daniel" für Doppelchor a cappella, das an diesem Abend uraufgeführt wurde, nahm Kelemen Auszüge aus dem biblischen Buch Daniel und dem 130. Psalm ("De profundis clamavi"), splittete den Text in kleine Teile und ließ ihn eine detaillierte vokale Bearbeitung durchlaufen. Der Chor Cantus Stuttgart unter Leitung von Jörg-Hannes Hahn konnte jetzt beweisen, dass er sich zu einem Spezialisten für Neue Musik entwickelt hat. Denn das Stück verlangt neben dem traditionellen chorischen und solistischen Einsatz der Stimmen die unterschiedlichsten Artikulationsarten wie Sprechen, Flüstern, Schreien, lautes Atmen, Glissandi und das Singen in Vierteltönen.

Zu Beginn hatte Jörg-Hannes Hahn an der Orgel Kelemens anarchisch humoristisches "Fabliau" von 1972 zum Besten gegeben: Fröhlich, bunt und glitzernd sprudeln hier die Läufe, werden kontrastiert mit deftigen, oft brüllenden Clustern. Und immer wieder dringt die Stimme des Organisten aus den Lautsprechern, der sein eigenes Spiel mit einem Lachen oder Schnaufen bedenkt und es zuweilen sogar niederbrüllt.

Verena Großkreutz

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Stuttgarter Zeitung, 14.09.2009

Zischen und Flüstern

Musikfest II In der Stuttgarter Stiftskirche sind Psalmen von Pauset und Mäntyjärvi uraufgeführt worden.

Deutlicher hätte der Unterschied in der Publikumsreaktion nicht sein können. Verhalten-höflicher Beifall auf der einen Seite, frenetischer Jubel andererseits gab es beim zweiten Psalmen-Konzert des Musikfestes. Die erste Uraufführung des Konzerts stammte von dem Franzosen Brice Pauset. Etwa zwanzig Minuten dauert seine Version des 95. Psalms. Pauset zerlegt den Text in einzelne Silben und Laute, lässt die Worte durch den Chor wandern und konzentriert sich vor allem auf die Konsonanten. Ständig zischelt, haucht und kratzt es: Textverständlichkeit ausgeschlossen.

Mit einem heftigen Tutti-Schlag setzt das Orchester ein, immer wieder erklingen scharf dissonante, laute Akkorde. Dazwischen flirren die Streicher in höchster Flageolett-Lage, Arpeggien und Glissandi schimmern in den Holzbläsern, die Blechbläser setzen markante Akzente, müssen sich aber dem vielfältig eingesetzten Schlagwerk unterordnen.

Das Stuttgarter Kammerorchester und der Kammerchor Cantus Stuttgart beweisen technische Souveränität, begegnen der vertrackten Partitur mit sympathischer Offenheit. Jörg-Hannes Hahn steuert mit klarer Zeichengebung durch die wechselnden Takte und Tempi – man hätte ihm und seinen tapferen Mitstreitern eine dankbarere Aufgabe gewünscht. Denn in Mendelssohns Vertonung des 95. Psalms konnte man sich von den künstlerischen Qualitäten des klangschön und homogen singenden Chors überzeugen.

In der zweiten Konzerthälfte präsentierte der Akademische Kammerchor Uppsala die drei Psalme op. 78 von Mendelssohn eher schlicht und verhalten. Vor allem "Warum toben die Heiden" hätte man sich zupackender gewünscht. Mitunter vermisste man auch klangliche Homogenität und rhythmische Präzision. Befremdlich wirkte Stefan Parkmans verklärte Interpretation der Doxologien am Ende der drei Psalmen.

Deutlich eindrucksvoller war die zweite Uraufführung des Abends, Jaakko Mäntyjärvis Version der gleichen Psalmtexte. Mit einer Unisono-Fanfare beginnt er den 22. Psalm "Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?", setzt dagegen die chromatisch gefärbte Klage "Eli, Eli, lama asabthani" und behandelt in der Folge den A-cappella-Chor einfallsreich: Alt- und Bass-Stimmen mit Bordun-Klängen, Rezitationspassagen, die plötzlich in Fortissimo-Takte in höchster Lage ausbrechen, Lautmalereien – die Zeile "Meine Kräfte sind vertrocknet" etwa wird heiser geflüstert.

Mäntyjärvi beherrscht die traditionellen Formen der Vokalpolyfonie, seine Musik ist tonal begründet und weitgehend traditionell, aber darin finden sich harmonisch und rhythmisch reizvolle Passagen, vor allem aber versteht er sich auf die klangliche Ausdeutung des Textes und auf den Umgang mit Stimmen, die er von tief gelagerten Parlando-Passagen bis hin zu weit gespreizten, strahlenden und wirkungsmächtigen Tutti-Akkorden führt.

Markus Dippold

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Stuttgarter Nachrichten, 14.09.2009

Risiken und Nebenwirkungen

Musikfest (I): Das zweite Wochenende gehörte der geistlichen Kirchenmusik

Psalmen standen im Mittelpunkt des zweiten Musikfest-Wochenendes. Vertonungen Felix Mendelssohn Bartholdys stellte man zeitgenössische Werke gegenüber – ein anregendes Experiment.

Musik zu Texten, wortbezogene Klänge und die Avantgarde? Das passt nicht zusammen, behaupteten in den 1960er und 1970er Jahren jene Komponisten und publizistischen Meinungsmacher, die sich als Sachwalter des Neuen verstanden – und akzeptierten um der Freiheit des musikalischen Experimentierens willen auch in gesungenen Stücken nur noch Trümmer von Texten. Bis heute müssen Komponisten von Vokalmusik mit dem heimlichen Vorwurf leben, dass sie als Lohndiener am Text die gute Sache des musikalisch Neuen verraten haben. Dies ist zwar schon deshalb absurd, weil es mittlerweile keine dominierende ästhetische Stoßrichtung des zeitgenössischen Komponierens mehr gibt. Doch das Vorurteil bleibt stark – und trifft ganz besonders Vertonungen von Bibeltexten, also die zeitgenössische vokale Kirchenmusik.

Schon deshalb muss man die Idee Helmuth Rillings und des ehemaligen Bachakademie-Intendanten Andreas Keller begrüßen, die vor zwei Jahren Aufträge an Komponisten aus sehr unterschiedlichen Winkeln der Szene vergaben: Biblische Psalmen, die auch Mendelssohn in Musik setzte, sollten neu vertont und den entsprechenden Werken Mendelssohns gegenübergestellt werden. Die Ergebnisse überzeugten bei Konzerten am Freitag und am Samstag vor allem durch ihre Vielfalt; man vernahm deutlich, wo die Chancen textgebundenen zeitgenössischen Komponierens liegen – und wo ihre Risiken und Nebenwirkungen.

Das geglückteste Werk präsentierten das SWR-Vokalensemble und die Deutsche Radio-Philharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern unter Marcus Creeds Leitung im Beethovensaal: In seiner Vertonung des Psalms 114 erwies sich Martin Smolka als erfindungsreicher Vokalklangästhet. Zumal an den sprechenden Bildern des Bibeltextes entzündet sich seine Fantasie, und sehr schöne, gelegentlich fast meditative Klangflächen hat der Tscheche erfunden. Die Musik entwickelt einen sehr speziellen Sog – auch weil der Chor das, was ihm in die Kehlen hineinkomponiert wurde, exzellent darbietet, und das einsame solistische Sopran-"Alleluja" am Ende berührt auch, weil sich Affirmation und Befragung, musikalische Idee und Textbezug hier kaum präziser, kaum stimmiger ausbalancieren ließen. Das bewiesen nicht zuletzt die beiden Uraufführungen des Folgetages.

Bieder und altbacken wirkten die "Stuttgarter Psalmen" des Finnen Jaakko Mäntyjärvi. Zwar verhalfen der Akademische Chor Uppsala und sein Dirigent Stefan Parkman mit Lust an der sehr sanglichen Materie den schlichten, überwiegend homofon gehaltenen Vertonungen der drei Psalmen 2, 22, 43 zu schönen Wirkungen, doch fehlten dem ereignisarmen Melodiefluss belebende diskursive Momente. Eine Ausnahme hiervon bildete nur die hübsche Idee, das Toben der Heiden zwölftönig zu musikalisieren – wenngleich auch dieser Kunstgriff für sich selbst spricht. Wie viel stärker hatten da doch Mendelssohns Vertonungen zuvor gewirkt! Schade nur, dass der Chor hier nicht präzise genug intonierte und artikulierte.

Mit derlei Mängeln hatte Jörg-Hannes Hahns Cantus Stuttgart, den das Stuttgarter Kammerorchester begleitete, gar nicht zu kämpfen: Mendelssohns 95. Psalm hielt Hahn in schlichtem Fluss, das Sänger-Ensemble wirkte beweglich und ausgesprochen homogen. "Furcht und Zittern", die Neuvertonung desselben Psalms durch den französischen Komponisten Brice Pauset, schlug sich dann ganz auf die Seite der Musik; der Text wird zum klanglichen und emotionalen Material-Lieferanten. Vokale reiben sich an Konsonanten, Geräusche werden an die Oberfläche geworfen, versinken wieder in einem sehr eigenen Klang-Biotop.

Pausets Stück ist interessant. Darüber, ob es noch Sakralmusik ist, kann man sich allerdings streiten. Wer sich dafür entscheidet, darf hier die Große Koalition von Vokalmusik und avanciertem Komponieren feiern. Aus der Sicht desjenigen, der bei Pauset keinen zusammenhängenden Text und also auch keinen biblisch-religiösen Bezug mehr entdeckte, hat der Komponist der Kirchenmusik mit seinem Stück allerdings einen Bärendienst erwiesen.

Susanne Benda

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Eßlinger Zeitung, 11.09.2009

Visionen vor dem Frühstück

Matthias Maierhofer orgelt beim Sonnenaufgangskonzert in der Cannstatter Stadtkirche

Stuttgart – Im Vergleich zur schlaftrunkenen Stimmung in den Stuttgarter U-Bahnen ging es in der Cannstatter Stadtkirche geradezu quirlig zu. Die Sonne stand zwar erst auf sieben Uhr morgens. Aber zum zweiten Mal beim diesjährigen Musikfest hatte sich eine Menge Frühaufsteher versammelt, um ein neues Konzertformat der Bachakademie zu testen: das sogenannte Sonnenaufgangskonzert, das geistliche Inhalte mit sinnlichen Komponenten verbindet – nicht nur durch den anschließenden Frühstücksimbiss. Während sich die bunten Chorfenster langsam am Sonnenlicht entzündeten, entfachte der junge österreichische Orgelvirtuose Matthias Maierhofer auf seinem Instrument ein wahres Feuerwerk an Klängen, das seinen Höhepunkt fand in "Vision in Flames" des japanischen Komponisten Akira Nishimura: In mehreren Anläufen vereinten sich hart dissonierende Tontrauben und brüllend Geräuschhaftes zu einem Klangorkan, der wütend durchs Mittelschiff fegte, so dass die Flämmchen der beiden Kerzen auf dem Altar vor den flammenden Visionen ängstlich zu erzittern schienen. Dabei hatte doch alles so friedlich begonnen mit Edward Griegs berühmter, ursprünglich für Orchester komponierter Peer-Gynt-Morgenstimmung, anhand derer Maierhofer überzeugend deutlich machen konnte, warum die Orgel die Königin der Instrumente genannt wird: Weil sie die unterschiedlichsten Instrumentalklänge imitieren und deshalb ein ganzes Orchester ersetzen kann – wenn auch der dynamischen Feinarbeit Grenzen gesetzt sind.

Johann Sebastian Bachs Variationenwerk über den Choral "Christ, du bist der helle Tag" wirkte in Maierhofers recht greller Registrierung nicht weniger modern als Jehan Alains harmonisch freiere Va riationen über den gregorianischen Hymnus "Lucis Creator".

Mit einer Kostprobe seines eigenen improvisatorischen Könnens lieferte Maierhofer opulentere Kost: Seine Fantasie über den Choral "Sonne der Gerechtigkeit" geriet zum zuweilen recht wagnernden Rausschmeißer. Sinnvoll ergänzt wurde das wunderbar kontrastierende Programm durch sonnenanbeterische Lyrik von Mörike, Hölderlin, Goethe, Bachmann und anderen, die von Ulrike Möller gekonnt rezitiert wurde.

Verena Großkreutz

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AKTUELLES KONZERT

13. März 2012
Stadtkirche Bad Cannstatt

MUSIK AM 13.
Stabat Mater - vier Erstaufführungen

Christina C. Messner
"crux"

Eva-Maria Houben
"stabat mater"

Brigitta Muntendorf
"hin und weg"

Eintritt frei

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Musikalischer Kreuzweg 2012